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Neuigkeit vom 17. Juli | zur Übersicht

Konzept für den Güterzug der Zukunft

Verkehrsforscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt wollen die Attraktivität des Schienengüterverkehrs steigern. Ihr Projekt namens NGT Cargo soll das autonome Fahren auf der Schiene voranbringen.
Grafik: DLR Stuttgart

Experten erwarten, dass der Güterverkehr in Deutschland bis 2030 um fast vierzig Prozent zunimmt. Der Anteil des Schienengüterverkehrs am Gesamttransportaufkommen stagniert jedoch; die politisch gewollte Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schienen findet nicht statt. „Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir innovative Logistik-, Produktions- und Fahrzeugkonzepte entwickeln, um die gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Vorteile des Schienengüterverkehrs zu erschließen“, sagt Dr. Joachim Winter, der beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) das Projekt Next Generation Train (NGT) leitet. Mit dem Triebwagenzug NGT Cargo haben die Verkehrsforscher jetzt ein Konzept für den Güterzug der Zukunft vorgestellt, das die Attraktivität und damit den Anteil der Schiene am europäischen Güterverkehr deutlich steigern soll.

Intelligente Technik statt starrer Betriebsabläufe

Ein hoher Automatisierungsgrad, eine intelligente Abfertigung und höhere Geschwindigkeiten sind den Forschern zufolge die wesentlichen Merkmale des NGT Cargo: Die automatisch fahrenden Züge werden je nach Bedarf aus Einzelwagen und leistungsstarken Triebköpfen zusammengestellt und automatisch gekuppelt. „Ganzzüge, die nicht rangiert werden und mit ganz vielen Wagen eine große, einheitliche Frachtmenge von Punkt A nach Punkt B bringen, beherrschen aktuell den Güterverkehr“, so Winter. Hinter dem Einzelwagenverkehr stehe bisher ein sehr aufwändiger Prozess mit starren Betriebsabläufen: Das Zusammenstellen und Trennen von Wagen, deren Abholung und Zustellung seien sehr ressourcen- und zeitintensiv und für rund 30 bis 40 Prozent der Gesamtkosten verantwortlich. Eine Vielzahl manueller Kupplungsvorgänge führe zu langen Stillstandszeiten der einzelnen Wagen und einer durchschnittlichen Systemgeschwindigkeit von nur 18 Stundenkilometern im Einzelwagenverkehr. Zudem seien rund fünf Tage Vorlaufzeit notwendig, um Personal, Material und Trassen zur Verfügung zu stellen.

Beim NGT Cargo verfügen die intelligenten Güterwagen über einen eigenen Antrieb, der auf Elektromotoren basiert, und über eine Batterie, welche die beim Bremsen zurückgewonnene Energie speichert. Dadurch können die Einzelwagen selbstständig rangieren; Rangierpersonal und Rangierloks oder Oberleitungen entfallen. Außerdem können die Einzelwagen automatisch und autonom die letzten Kilometer zum jeweiligen Kunden fahren. Dazu ist jeder Einzelwagen mit entsprechender Sensorik ausgestattet, die auch Informationen zum aktuellen Status und der erwarteten Ankunftszeit übermitteln kann. Die Wagen können zudem direkt in Häfen, Umschlagbahnhöfe oder Logistikterminals hineinfahren – bis zu den Hochregalen, wo sie dann ebenfalls automatisiert be- oder entladen werden. Die DLR-Wissenschaftler arbeiten bereits an einem detaillierten Logistik- und Betriebskonzept sowie dem Design von Terminals und Entladestellen.

Mit dynamischer Flügelung virtuell verbinden

Für den Betrieb im Hochgeschwindigkeitsbereich sollen die Einzelwagen einen Verband bilden und mit ein bis zwei Triebköpfen zu einem vollständigen Triebwagenzug zusammengestellt werden können. Im Gegensatz zu aktuell fahrenden Güterwagen werden die Wagen des NGT Cargo geschlossen und aerodynamisch verkleidet sein. Dabei verschwinden auch die Lücken zwischen den einzelnen Wagen, was den Fahrwiderstand verringern und so weniger Lärm verursachen soll. Mehrere Triebwagenzüge lassen sich zudem während der Fahrt virtuell kombinieren: Sie bilden mit Hilfe des sogenannten dynamischen Flügelns einen Zugverband, sind aber nicht mit einer materiellen Kupplung verbunden. Auch eine Kopplung mit dem vom DLR entwickelten Hochgeschwindigkeitspersonenzug NGT HST soll möglich sein, um Personen- und Güterverkehr bündeln und vorhandene Streckenkapazitäten optimal nutzen zu können. (ph)

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