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Neuigkeit vom 21. April | zur Übersicht

Vom Logistiker zum Autobauer

Die Deutsche Post will ihren Streetscooter künftig europaweit auch an externe Kunden verkaufen. Entwickelt wurde der Elektro-Lieferwagen von einem Startup im Umfeld der RWTH Aachen.
Streetscooter-Produktion.
Foto: Deutsche Post AG

Erst Anfang März hatte die Deutsche Post DHL Group verkündet, bis zum Jahr 2050 alle logistikbezogenen Emissionen netto auf null zu reduzieren. Teil dieser Strategie ist die Elektromobilität. Wie das Unternehmen jetzt mitteilt, sollen die Kapazitäten zur Produktion des posteigenen Elektro-Lieferwagens Streetscooter bis Ende 2017 von 10000 auf bis zu 20000 Stück verdoppelt werden; dafür soll in Nordrhein-Westfalen ein zweiter Produktionsstandort entstehen. Außerdem will der Logistiker die bislang für den Postbetrieb und den Lieferverkehr optimierten E-Fahrzeuge ab sofort auch an Dritte verkaufen: Mindestens die Hälfte der diesjährigen Jahresproduktion ist Postinformationen zufolge für externe Interessenten vorgesehen.

Der Streetscooter ist das Produkt des gleichnamigen Startups, das die Professoren Achim Kampker und Günther Schuh sowie Studenten der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen im Jahr 2010 zunächst als privatwirtschaftlich organisierte Forschungsinitiative gründeten. Die Deutsche Post wurde 2011 im Rahmen der IAA auf ein Konzeptfahrzeug aufmerksam, auf dessen Basis Konzern und Forscher dann gemeinsam einen auf die Ansprüche des Logistikers zugeschnittenen Transporter entwickelten. Ende 2014 kaufte der Konzern das Startup für einen nicht genannten Preis komplett auf. CEO wurde Achim Kampker, der bis heute das in Aachen ansässige Unternehmen leitet und zudem Sonderbeauftragter für Elektromobilität bei der Post ist. Günther Schuh, der an der RWTH Aachen Maschinenbau studierte und das betriebswirtschaftliche Aufbaustudium zum Wirtschaftsingenieur absolvierte, blieb Inhaber des dortigen Lehrstuhls für Produktionssystematik.

Die Jahresproduktion der Streetscooter-Fahrzeuge soll sich in etwa zu gleichen Teilen auf die Modelle Work (rund vier Kubikmeter Ladevolumen) und Work L (rund acht Kubikmeter Ladevolumen) verteilen. Der nächste noch größere Transporter mit rund 20 Kubikmeter Ladevolumen (Work XL) soll voraussichtlich Anfang 2018 auf den Markt kommen und dann ebenfalls in den externen Vertrieb gehen. Auch die E-Bikes von Streetscooter (Work S) sowie die E-Trikes (Work M) bietet der Konzern ab sofort externen Kunden an.

Neben Europa denkt die Deutsche Post Medienberichten zufolge über weitere internationale Märkte für den Streetscooter nach. „Weil wir in Indien und Thailand bereits Pakete ausfahren, prüfen wir, ob der Streetscooter da für uns und auch für externe Kunden interessant sein könnte“, sagte Postvorstand Jürgen Gerdes der Rheinischen Post. Und weiter: „Ich kann mir auch vorstellen, dass das Fahrzeug in New York, San Francisco oder Peking großes Interesse finden würde. Dies alles bedeutet, dass zum entsprechenden Zeitpunkt und bei entsprechender Nachfrage auch Werke in Übersee denkbar wären.“ Auf Dauer hält Gerdes demnach zehn Werke weltweit und einen Verkauf von 100000 Stück pro Jahr für denkbar. Ein Börsengang sei zwar nicht geplant, aber auch nicht ausgeschlossen. (ph)

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