Quelle: Thyssenkrupp AG

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Thyssenkrupps Konzernchef Heinrich Hiesinger trat vor sechs Jahren an die Spitze eines Unternehmens in einer tiefen Krise. Seitdem rüttelt er an alten Strukturen, nicht zuletzt beim Umgang mit den Beschäftigten.

Dass Großkonzerne häufig eher schwerfälligen Tankern ähneln als wendigen Schnellbooten, ist ein häufig bemühtes Bild. Dass diese Schwerfälligkeit aber nicht nur mit dem Agieren auf dem Markt zu tun hat, sondern auch mit der Unternehmenskultur, zeigt ein Artikel der Süddeutschen Zeitung über Thyssenkrupp – und über die Versuche von Konzernchef Heinrich Hiesinger, die Beschäftigten von Routinen loszureißen und zu Neuem zu ermutigen. Mehr Offenheit, angstfreie Kommunikation und keine Berührungsängste zwischen den Hierarchieebenen gehören demnach zu den Ansätzen.

„In den ersten Tagen habe ich mich gewundert, warum niemand zu mir in den Aufzug stieg“, wird Hiesinger zitiert: Der Legende nach habe der Werksschutz früher auch schon mal Kollegen aus dem Aufzug gezogen, wenn der Vorstandsvorsitze kam, damit dieser ungestört nach oben fahren konnte. Und als Hiesinger zum ersten Mal seine Führungskräfte für einen Austausch zusammenholte, gab es keine einzige Wortmeldung. Hiesinger dazu: „Es hat mich betroffen gemacht zu sehen, wie strenge Hierarchien Menschen kleinmachen. Der Mensch zieht sich zurück, bringt nicht mehr seine Erfahrung ein, seine Kreativität, seine Ideen, sondern wird reduziert auf das Ausführen von Aufgaben.“

Das will Hiesinger ändern – auch wenn er davon ausgeht, dass es dauern wird, bis der neue Geist überall ankommt. Und: „Es kommt auch längst nicht alles, was in der Zentrale ausgegeben wird, genauso überall an.“ 75 Prozent der Mitarbeiter auf der obersten Ebene hat Hiesinger der SZ zufolge ausgetauscht. In den Vorstand hat er, nachdem er das Gremium verkleinert hatte, nur Manager von außen geholt – die meisten waren aber schon im Konzern tätig. So will Hiesinger laut SZ signalisieren, dass er jedem eine Chance gibt. Er lobt in Besprechungen jene, die Probleme ansprechen; auf den ersten Führungskräftetreffen waren Fragen anonym per SMS möglich. Er hat den Firmenjet abgeschafft, einen Vorstand für Compliance geschaffen und eine Diversity-Managerin eingestellt. Hiesinger: „Der Konzern hat heute viele Seelen, und wir müssen für jede eine Zukunft finden.“ (ph)

Ein Thema des Arbeitskreises Produktion & Logistik.

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