Quelle: IPH/Susann Reichert

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Fahrerlose Transportfahrzeuge sollen bald nicht nur frei navigieren, sondern auch automatisch auf Störungen reagieren können. Für dieses Vorhaben sucht das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) noch Projektpartner – Hersteller entsprechender Transportfahrzeuge sowie Unternehmen, die solche Fahrzeuge bereits einsetzen oder in Zukunft nutzen wollen.

Beim automatischen Warentransport gibt es ein großes Problem: Er funktioniert nur solange automatisch, wie keine Störung auftritt. Sobald ein Fahrzeug beschädigt ist oder auf ein Hindernis stößt, muss der Mensch manuell eingreifen und den Fehler beheben – und im Extremfall steht die gesamte Produktion still. Das wollen Forscher des Instituts für Integrierte Produktion Hannover (IPH) ändern: mit einem System, das automatisch auf Störungen reagiert und so den Einsatz von frei navigierenden fahrerlosen Transportfahrzeugen noch effizienter macht. „Fallbasiertes Expertensystem zur automatisierten Reaktion auf Betriebsstörungen in frei navigierenden Fahrerlosen Transportsystemen (FTS-Expert)“ ist der Name des Projekts.

Steht ein Fahrzeug künftig vor einem leeren Regal, soll es automatisch eine Maßnahme empfehlen, um die Störung zu beheben. Versperrt ein Hindernis den Weg, soll das System die optimale Lösung finden, also das Hindernis umfahren oder den Transportauftrag abgeben. Ist ein Sensor verschmutzt oder beschädigt, soll das Fahrzeug eine Fehlermeldung absetzen – mit dem Hinweis, um welches Bauteil es sich handelt und wie sich die Störung am besten beheben lässt. Die Herausforderung ist den Forschern zufolge, dass die Zahl möglicher Lösungen zur Behebung von Störfällen sehr groß und manuell kaum überschaubar ist. Bei einem blockierten Durchgang beispielsweise könne das Fahrzeug entweder einen Umweg fahren oder den Transportauftrag abgeben – beides könne zu Verzögerungen führen und sich auf das gesamte System auswirken. Daher müsse das System in der Lage sein, die Alternativen abzuwägen und sich für die beste zu entscheiden. Für solche Entscheidungen sei derzeit jedoch langjährige Erfahrung notwendig.

Erfahrungswissen plus Algorithmus

Damit das System künftig automatisch auf Störungen reagieren kann, wollen die Wissenschaftler das Erfahrungswissen – also vergangene Störfälle samt Lösungen – in einer Datenbank bündeln. Tritt eine Störung auf, soll das System den vorliegenden Fall mit gespeicherten Störungsszenarien abgleichen und einen Lösungsvorschlag präsentieren. Anschließend soll der aktuelle Fall ebenfalls in der Datenbank gespeichert, damit das System kontinuierlich dazulernt. Um die Wissensdatenbank und den Algorithmus zur automatischen Fehlerdiagnose zu entwickeln, will das Projektteam eng mit Unternehmen zusammenarbeiten – sowohl mit Herstellern von frei navigierenden fahrerlosen Transportfahrzeugen als auch mit Unternehmen, die solche Fahrzeuge bereits einsetzen oder in Zukunft nutzen wollen. Das erste Projekttreffen findet am 4. Juli 2017 in Hannover statt. Weitere Details und Ansprechpartner gibt es auf der Webseite des Projekts. (ph)

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