autonomes Fahren

Quelle: Continental AG

VWI Redaktion Keine Kommentare

Bei den Voraussetzungen für autonomes Fahren hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher. Das zeigt der aktuelle „Autonomous Vehicles Readiness Index“ von KPMG, mit dem die Unternehmensberatung die Voraussetzungen zur Einführung des autonomen Fahrens in 30 Ländern vergleicht. Deutschland belegt in diesem Ranking den 14. Platz. Im Vorjahr, als KPMG die Voraussetzungen in 25 Ländern untersucht hatte, war es noch Rang 8. In der Gesamtwertung erreicht in diesem Jahr Singapur den Spitzenplatz, gefolgt von den Niederlanden und Norwegen.

Der Index untersucht die vier Bereiche Politik/Gesetzgebung, Technologie/Innovation, Infrastruktur und Bevölkerungsakzeptanz. Am besten schneidet Deutschland in der Sparte Technologie/Innovation mit Platz 4 ab. In der Kategorie Politik/Gesetzgebung rutscht Deutschland von Platz 6 auf 7. Und in Sachen Infrastruktur sowie Bevölkerungsakzeptanz liegt die Bundesrepublik auf Rang 19 beziehungsweise 21 und somit vergleichsweise weit hinten.

KPMG weist darauf hin, dass Deutschland einer der Vorreiter bei der Entwicklung der Rahmenbedingungen für autonomes Fahren gewesen sei. Der Anfangsschwung habe jedoch nachgelassen. Es fehle an einer ganzheitlichen Strategie, an Standardisierung, angemessener Infrastruktur und an einem klaren Umsetzungsplan vor allem auf Ebene der Kommunen. Daher bleibe auch die Skepsis der Bürger groß. Positiv wertet KPMG jedoch, dass die Nationale Plattform Mobilität im Dezember 2019 Handlungsfelder für die Implementierung autonomer Mobilität definiert und eine konzertierte Zusammenarbeit zwischen Industrie, Politik, Zivilgesellschaft, Bund, Ländern und Kommunen angemahnt hat.

Bain & Company: Noch in diesem Jahrzehnt vom Nischen- zum Massenmarkt

Mit der Frage, wann E-Mobilität und autonomes Fahren durchstarten, hat sich die Unternehmensberatung Bain & Company in einer aktuellen Studie zum Automobil- und Mobilitätssektor beschäftigt. Demnach geht Bain davon aus, dass 2025 etwa zwölf Prozent aller verkauften Neufahrzeuge Elektroautos sein werden und bis 2040 mehr als die Hälfte. Der Anteil autonomer Fahrzeuge werde sich zwischen 2030 und 2040 vervierfachen. Damit sollen sich Elektromobilität und autonomes Fahren noch in diesem Jahrzehnt vom Nischen- zum Massenmarkt entwickeln. Diesen sogenannten Tipping Point erwartet Bain für E-Autos bis 2024, beim autonomen Fahren mit Robotaxis werde es bis 2028 dauern. Die aktuelle Krise könne diesen Wandel in Teilen beschleunigen oder verzögern, aber nicht verhindern.

Für die Automobilindustrie, so die Bain-Studie weiter, bedeutet die Entwicklung hin zu E-Autos und autonomem Fahren zunächst steigende Kosten. Daher müssten Hersteller und Zulieferer zügig die richtigen Weichen stellen. Die Bain-Studie zeigt folgende Handlungsfelder auf, um den zukünftigen Geschäftserfolg zu sichern:

  • Nachhaltiger Ausbau der Elektromobilität mit reinen E-Autos und Plug-in-Hybriden
  • Deutliche Reduzierung der Angebotskomplexität – inklusive Streichung unprofitabler Modelle – und Verringerung der technischen Spezifikationen auf ein Mindestmaß
  • Kostenreduktion bei allen Fahrzeugkomponenten durch Modularisierung und herstellerübergreifende Realisierung von Skaleneffekten
  • Drastische Kostensenkung im Vertrieb, zum Beispiel durch verstärkte Nutzung des Onlinekanals, sowie in Verwaltungsfunktionen, etwa durch Digitalisierung
  • Strategiekonforme Allokation von Entwicklungs- und Investitionsbudgets durch deutliche Verringerung des Mitteleinsatzes im traditionellen Geschäft zur Sicherstellung ausreichender Mittel für neue Technologien
  • Aufbau von Kompetenzen bei Batterie- und Zelltechnologie sowie Software, inklusive integrierter Software-/Hardware-Optimierung
  • Reduzierung der Entwicklungs- und Fertigungstiefe bei Standardkomponenten
  • Pragmatisches Angebot von Mobilitätslösungen für Städte gemeinsam mit Infrastruktur- und Technologiepartnern
  • Grundlegender Kulturwandel hin zu mehr Agilität und Unternehmertum für schnelle und pragmatische Entscheidungen in einem Umfeld großer Unsicherheit, inklusive Ausgründung von autark agierenden Einheiten für neue Technologien

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.