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Social Bots werden in Sozialen Netzwerken gezielt dazu eingesetzt, Meinungen zu manipulieren. Das aktuelle Magazin der Helmholtz-Gemeinschaft analysiert den Einfluss der Algorithmen und lässt dazu unter anderem KIT-Professor und Wirtschaftsingenieur York Sure-Vetter zu Wort kommen.

Mit der Präsidentschaftswahl in den USA bekam das Thema einen enormen Aufschwung, doch auch schon beim Brexit-Referendum wurde viel darüber diskutiert: die Verbreitung von politischer Propaganda und Fake News auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter. Dahinter stecken nicht nur menschliche Internetnutzer, sondern auch eigens geschriebene Computerprogramme, sogenannte Social Bots. Diese sind in der Lage, selbstständig Nachrichten zu versenden und mit anderen Nutzern zu interagieren. Mögliche Ziele ihrer Programmierung: den politischen Gegner diskreditieren, Masse zur Verstärkung von Meinungen erzeugen, Statistiken verdrehen, Stimmungen heraufbeschwören, Menschen verunsichern.

Möglichkeit des Dual-Use immer gegeben

Da im September in Deutschland Bundestagswahlen sind und Social Bots im Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen könnten, untersucht die Helmholtz-Gemeinschaft in der aktuellen Ausgabe ihres Magazins „Perspektiven“ (Heft Juli 2017) die mögliche Reichweite und Bedeutung dieser Algorithmen. York Sure-Vetter – einer der zitierten Experten – sieht die Gefahr von Social Bots für Wahlkämpfe gelassen. „Die Bevölkerung hierzulande ist nüchterner und aufmerksamer als in den USA“, sagt der Wirtschaftsingenieur, der als Universitätsprofessor am Institut für Angewandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren (AIFB) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) tätig ist. Wie bei jeder Technologie gebe es die Möglichkeit des sogenannten Dual-Use, also der Nutzung für positive und für negative Zwecke. Der Wissenschaftler erinnert in dem Perspektiven-Artikel an Spam-Mails: Nach einer Phase des intensiven Aufrüstens auf beiden Seiten, bei Spammern ebenso wie bei E-Mail-Anbietern, sei inzwischen ein Gleichgewicht entstanden. Ähnliches erwartet er bei den Social Bots: Die Abwehrmechanismen gegen missbräuchliche Nutzung würden über kurz oder lang so gut werden, dass sich ihr Einsatz oft nicht mehr lohne.

„Nur mit einem interdisziplinären Ansatz kann ein tieferes Verständnis von Chancen, Potenzialen, Wirkungsweisen und auch Risiken von sozio-technischen Plattformen wie sozialen Medien erlangt werden“, so Sure-Vetter weiter. In einem zweiseitigen ergänzenden Interview erläutert er seine Forschungsarbeit an der Schnittstelle von Informatik und Geisteswissenschaften und was ihn immer wieder an Sozialen Medien fasziniert. (ph)

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