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Studie Industrie 4.0Quelle: KIT/Manuel Balzer

In ihrer gemeinsamen Studie „Wandlungsfähige, menschzentrierte Strukturen in Fabriken und Netzwerken der Industrie 4.0“ haben das KIT, die Leibniz Universität Hannover und acatech untersucht, welche Bedeutung Industrie 4.0 für die Wandlungsfähigkeit von Unternehmen hat – und welche Rolle der Mensch dabei spielt. Die digitale Vernetzung von Anlagen und wandlungsfähige Systeme ermöglichen es Unternehmen, ihre Produkte genauer und schneller an Kundenwünsche anzupassen. Die Studie zeigt, dass die Beschäftigten ganz entscheidend zur erfolgreichen Umsetzung dieser Wandlungsfähigkeit beitragen: Sie regen und treiben Reaktionen auf interne sowie externe Veränderungen der Produktion und ihrer Umgebung an und ‚leben‘ den Wandel von Organisation und Arbeitsbedingungen.

Industrie 4.0 erfordert neue Formen der Zusammenarbeit

„Die Vernetzung von Produktionsprozessen zur Industrie 4.0 bringt die Wandlungsfähigkeit produzierender Unternehmen auf ein völlig neues Niveau“, sagt Projektleiterin Gisela Lanza, Professorin und Leiterin des wbk Instituts für Produktionstechnik des KIT: „Produkte und die damit verbundenen Prozesse lassen sich beim richtigen Einsatz von Industrie 4.0 an Kundenwünsche und veränderliche Marktbedingungen anpassen. Viele Unternehmen zögern dennoch, sich auf die Industrie 4.0 einzulassen – auch deshalb, weil ihnen erfolgreiche Beispiele fehlen. Solche Beispiele und auch entsprechende Handlungsmöglichkeiten legen wir nun vor.“

Ausgehend vom Konzept der Industrie 4.0 skizziert die Studie Entwicklungspfade hin zur wandlungsfähigen Fabrik und identifiziert zentrale Handlungsfelder. Eine technikzentrierte Sicht- und Herangehensweise ist dabei wenig zielführend, wie die Studie zeigt. „Die Vernetzung von Dingen, Geräten und Maschinen muss mit neuen Formen der Zusammenarbeit von Menschen einhergehen. Das beginnt bei der Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, führt über die Organisation der Zusammenarbeit im Unternehmen und geht bis zur Unternehmenskultur“, so Wirtschaftsingenieurin Lanza.

Fünf Handlungsfelder

Die Studie arbeitet folgende fünf Handlungsfelder und mehrere wesentliche Punkte je Handlungsfeld heraus.

Transparenz und Entscheidungsunterstützung
• Assistenzsysteme sind wandlungsfähig auszu gestalten.
• Kognitive IT­Systeme zur autonomen Datenüber prüfung und ­aufbereitung sowie Entscheidungs unterstützung sind vielversprechend.
• Unternehmensindividuelle Einführungsstrategien für Assistenzsysteme sind erforderlich.

Qualifikation
• Lernfabriken und Testumgebungen verringern die Zeit vom Erlernen der Theorie zum Einsatz im Feld.
• Wissen in den Domänen IT, Elektrotechnik, Maschinenbau und BWL sowie Soft Skills bilden den Kern des Kompetenzbaukastens der Zukunft.
• Eine IT-­Grundausbildung ist nicht nur an Hochschulen vorzusehen.

Organisation
• IT­-Sicherheit ist die Voraussetzung der unternehmensübergreifenden horizontalen Vernetzung.
• Die Möglichkeit zum Wechsel zwischen Funktions­- und Prozessorientierung schafft wandlungsfähige Arbeitsorganisationen.
• Schnittstellen und Standards ermöglichen Ad­hoc­-Wertschöpfungsnetzwerke.

Strategie
• Die zentrale Verankerung von Wandlungsfähigkeit in der Unternehmensstrategie ist notwendig.
• Design for Changeability ist ein notwendiges Gestaltungsprinzip in der Entwicklung von Produkten und Prozessen.
• Eine Orientierung der vorzuhaltenden Wandlungsfähigkeit am Markt ist erforderlich.

Unternehmenskultur
• Mitarbeiterverhalten bestimmt die Kultur.
• Kultur kann durch Unternehmensvision, ­-werte und ­-leitlinien gestaltet werden.
• Kerninhalte für wandlungsfähige Unternehmen sind konstruktiver Fehlerumgang, Innovationsoffenheit, demokratische Führungsstile sowie offene Kommunikation.

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