Corona-Virus

Quelle: Roland Berger

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Wie trifft das Corona-Virus verschiedene Branchen? Mit dieser Frage hat sich die Unternehmensberatung Roland Berger beschäftigt und beleuchtet, wie die Ausbreitung des Virus das Wirtschaftswachstum in den wichtigen Wirtschaftszweigen Automotive, Maschinenbau, Logistik und Pharma beeinflusst. Daraus haben sie drei Szenarien entwickelt, wie der weitere Verlauf 2020 und 2021 aussehen könnte. Roland Berger zufolge hängen die Auswirkungen des Corona-Virus auf verschiedene Wirtschaftszweige von unterschiedlichen Angebots- und Nachfrage-Mustern ab.

Die Automobilbranche, die bereits durch schleppendes Wachstum im Jahr 2019 geschwächt wurde, erfährt demnach wahrscheinlich den größten Abschwung. Die Bruttowertschöpfung könnte – verglichen mit dem Basis-Szenario ohne COVID-19-Einflus – 2020 im Worst-Case-Szenario bis zu 10,6 Prozentpunkte fallen, wodurch Automobilverkäufe um zehn Prozent stärker sinken würden als vorhergesagt und aufgrund der gestörten Lieferketten keine Erhöhung möglich wäre. Im moderaten Szenario „Verzögerte Heilung“ folgt auf ein signifikantes Verkaufstief aufgrund von Bauteil-Engpässen und Problemen mit der Lieferkette im ersten Halbjahr 2020 ein Produktionsanlauf im vierten Quartal, wodurch der Effekt übers Jahr minimiert wird. Im Szenario „Schnelle Erholung“ folgt auf einen kleinen Abfall im Verkaufsvolumen im ersten Halbjahr ein ausgleichender Produktionsanlauf im zweiten Halbjahr 2020.

Die Maschinenbaubranche wird laut Roland Berger bis zum ersten Quartal 2021 sowohl Angebots- als auch Nachfrageschocks erfahren, schlimmstenfalls mit Folgeeffekten, die sich erst im zweiten Quartal 2021 einstellen. Im moderaten Szenario wird der Angebotsschock durch die sinkende Nachfrage verschlimmert, aber die Erholung folgt im vierten Quartal 2020. Im Best-Case-Szenario verursacht die Schließung chinesischer Fabriken nur einen geringen Schock, wobei der Versorgungsengpass teils durch Inventar abgefangen werden kann. Der Aufholeffekt stellt sich ein, sobald die Versorgungslage sich im zweiten Quartal 2020 erholt.

Die Logistikbranche reagiert laut Roland Berger unmittelbar auf jegliche Schwächung der Handelsströme, was die Branche besonders anfällig für die negativen Auswirkungen des Corona-Virus macht. Schlimmstenfalls sieht das Szenario „Tiefgreifende Rezession“ ein schwerwiegendes Nachfragetief vorher, bei dem die Erholung erst mit einem Gesamtwirtschaftswachstum im ersten Halbjahr 2021 stattfindet. Das moderate Szenario sagt ausgedehnte Produktions-Stillstände voraus, welche die Nachfrage nach Logistik-Dienstleistungen langfristig senken. Der Branche drohen auch Risiken durch weitere ausgeweitete Grenzschließungen. Im Best-Case-Szenario zeigt sich die größte Auswirkung in China, aufgrund der Quarantänemaßnahmen und der Abriegelung ganzer Provinzen.

Auch die Pharmabranche wird laut Roland Berger zunehmend eine Belastung der Lieferketten erleben, aber eine anhaltende Nachfrage sollte für weiteres Wachstum sorgen. Schlimmstenfalls bleiben die Wachstumsraten der schwachen Weltwirtschaft entsprechend niedrig, solange nicht essenzielle Einkäufe aufgeschoben werden. Im moderaten Szenario verlangsamt sich das Wachstum aufgrund von Versorgungsschocks, aber die Nachfrage bleibt stabil. Im Falle einer schnellen Erholung dürften etwaige Produktionsausfälle durch Lagerbestände überbrückt werden, gefolgt von einem schnellen Produktionsanlauf frühestens im zweiten Quartal 2020. In diesem optimistischen Szenario sind die Auswirkungen auf Europa und die Vereinigten Staaten gering.

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