Berufserfahrung

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Das Studium ist zu Ende und der Berufseinstieg steht an. Mit tollem Abschlusszeugnis und hoch motiviert geht es auf Jobsuche. Doch immer wieder liest man das gleiche: Mindestens zwei Jahre Erfahrung, erste Praxiserfahrung, in einem vergleichbaren Bereich gearbeitet… Und das, obwohl es sich bei den betrachteten Jobangeboten um Einstiegsstellen handelt. Denn immer mehr Unternehmen erwarten relevante Berufserfahrung bereits von Berufseinsteigern.

Zwar sind auch Absolventen, die sich ausschließlich auf ihr Studium konzentriert haben, auf dem Arbeitsmarkt nicht verloren. Bei einer Befragung des Jobportals Stepstone gaben mehr als die Hälfte der befragten Recruiter und Manager an, dass ein abgeschlossenes Bachelorstudium von den Bewerbern erwartet wird, und 37 Prozent erwarten einen Masterabschluss. Aber immerhin 50 Prozent der Befragten erwarten relevante Arbeitserfahrung, und hiervon wiederum knapp die Hälfte sogar über mehr als sechs Monate. Vergleicht man dies mit der Wichtigkeit einer sehr guten Abschlussnote und der Einhaltung der Regelstudienzeit (beides acht Prozent), wird einem die Bedeutung von Praxiserfahrung deutlich. Es ist also – anders als oft behauptet – nicht dramatisch, dass eigene Studium in Maßen zu verlängern, um bereits neben dem Studium zu arbeiten.

Beim Begriff Studentenjob denken viele an Aushilfsjobs im Gastronomie- und Hotelgewerbe, körperliche Tätigkeiten oder Promoter-Jobs. Auch in diesen Jobs werden wichtige Skills erlernt, die auf das Arbeitsleben nach dem Studium vorbereiten – ideal für den Lebenslauf ist diese Berufserfahrung aber nicht. WiIng-Studierende sollten daher besser in Bereichen arbeiten, die thematisch nah an ihren Studieninhalten sind. Den Fokus bei der Jobsuche kann hierbei entweder auf einer bestimmten Kompetenz (zum Beispiel Beratung, Projektmanagement) oder einem bestimmten Typ von Unternehmen (zum Beispiel Start-up oder DAX-Unternehmen) liegen. Wer eine Idee davon hat, wo er später landen möchte, kann so einen Grundstein für die Karriere legen.

Wege zu relevanter Berufserfahrung

WiIng-Studierende haben also jede Menge Möglichkeiten, um relevante Berufserfahrung zu sammeln. Doch in welcher Form? In Frage kommt die klassische Werkstudententätigkeit, die den meisten bekannt sein sollte. Bei dieser arbeitet der/die Studierende fest und in der Regel für einen Zeitraum von mindestens einem Jahr in einem Unternehmen. In der Vorlesungszeit kann bis zu 20 Stunden pro Woche gearbeitet werden, während der Semesterferien sogar die klassischen 40 Stunden. Alternativ können Praktika absolviert werden, die in der Regel über einen kürzeren Zeitraum gehen, stets in Vollzeit sind, aber meist nicht so viel Geld abwerfen. Die dritte der klassischen Möglichkeiten ist ein Minijob beziehungsweise 450-Euro-Job. Hier arbeiten Studierende meist nur einen Tag pro Woche und entsprechend in Tätigkeitsbereichen, die keine allzu hohe Relevanz für den Erfolg des Unternehmens haben.

Auch wenn es natürlich zu Beginn beruhigend sein kann, wenig Verantwortung zu übernehmen: Am lehrreichsten ist es, wenn man für (kleine) Projekte im Unternehmen allein verantwortlich ist. Passend hierzu hat sich in den vergangenen Jahren ein Trend hin zum freien und eigenverantwortlichen Arbeiten neben dem Studium entwickelt. Dieses Arbeiten als studentische/r Freelancer/in unterscheidet sich stark von dem der anderen Jobtypen, da Studierende nicht weisungsgebunden, sondern eigenverantwortlich und auf eigene Rechnung arbeiten. Der Studierende bietet sein in der Uni erlerntes Wissen hier als Dienstleistung an. Im Bereich des Wirtschaftsingenieurwesens können Studierende zum Beispiel Businesspläne für Start-ups verfassen oder eine unabhängige Wettbewerbsanalyse für Unternehmen durchführen. Auch im Bereich Projektmanagement werden studentische Freelancer gerne eingesetzt. Erste Aufträge können zum Beispiel über Freelancer-Plattformen wie Upwork oder Freelance Junior akquiriert werden. Auch Karrierenetzwerke wie LinkedIn oder Xing bieten eine gute Anlaufstelle.

Ein positiver Aspekt für Studierende ist die Bezahlung, die in der Regel deutlich höher ist als bei anderen Studentenjobs. Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass sich frei arbeitende Studierende selbst krankenversichern müssen – zumindest sobald auf Grund von Einkommen oder Alter die Familienversicherung nicht mehr greift. Ebenso muss jährlich eine Steuererklärung abgeben und gegebenenfalls Einkommenssteuer gezahlt werden – etwa ab einem Jahresgewinn von 9000 Euro (Stand: Einkommensteuer 2018).

Die wöchentliche Arbeitszeit darf im Semester genau wie bei einer Werkstudententätigkeit nicht die 20 Stunden pro Woche übersteigen (keine Grenze in den Semesterferien), da das Studium trotz des Sammelns von Berufserfahrung immer noch im Vordergrund stehen sollte. Wird diese Grenze missachtet, droht der Verlust des Studentenstatus. Entwarnung: Dieser Statusverlust ist nicht gleichzusetzen mit einer Exmatrikulation, hat aber Auswirkungen zum Beispiel auf die Sozialversicherungen. Neben wöchentlicher Arbeitszeit, Krankenkasse und Steuern gibt es weitere bürokratische Themen, mit denen sich selbstständig arbeitende Studierende auseinandersetzen müssen. Dies sollte jedoch weniger als bürokratische Schikane erachtet werden, sondern als die erste lehrreiche Lektion. Wer erwägt als studentische/r Freelancer/in zu arbeiten, kann sich in der Freelance Academy von Freelance Junior über alle relevanten Themen informieren.

Das ist ein Gastbeitrag von Paul Weinreich, Gründer und Geschäftsführer der Freelance Junior GmbH in Hamburg.

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