Holz als CO2-Senke

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München will künftig stärker auf den Baustoff Holz setzen, und auch Berlin will mehr mit Holz als mit Zement und Stahl bauen. Eine solche Materialrevolution kann doppelten Nutzen für die Klimastabilisierung haben, zeigt die Studie eines Wissenschaftlerteams, die jetzt unter dem Titel „Buildings as a global carbon sink“ in der Zeitschrift Nature Sustainability vorgestellt wurde. Demnach vermeidet der Baustoff Holz zum einen die Treibhausgasemissionen aus der Zement- und Stahlproduktion, zum anderen lassen sich damit Gebäude in Kohlenstoffsenken verwandeln, da im Bauholz das von den Bäumen zuvor aus der Luft aufgenommene und in ihren Stämmen eingelagerte CO2 gespeichert wird. Um dieses Potenzial zu nutzen, muss dem Autorenteam zufolge der Einsatz von technisch verarbeitetem Holz – engineered wood – im weltweiten Bausektor stark gesteigert werden. Zudem müssten die geernteten Wälder nachhaltig bewirtschaftet und das Holz aus dem Abriss von Gebäuden weiterverwendet werden.

Vier Szenarien hat das Team für die kommenden dreißig Jahre berechnet. Geht man von einem „business as usual“ aus, werden bis 2050 nur 0,5 Prozent der Neubauten mit Holz gebaut. Dieser Anteil könnte auf zehn oder 50 Prozent steigen, wenn die Massen-Holzproduktion entsprechend zunimmt. Wenn auch Länder mit einer derzeit geringen Industrialisierung den Übergang schaffen, sind sogar 90 Prozent Holz im Bau denkbar, erklären die Wissenschaftler. Dies könnte dazu führen, dass zwischen zehn Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr im niedrigsten Szenario und fast 700 Millionen Tonnen im höchsten Szenario gespeichert werden. Darüber hinaus reduziert der Bau von Holzgebäuden die kumulierten Emissionen von Treibhausgasen aus der Stahl- und Zementherstellung auf Dauer um mindestens die Hälfte. Dies mag im Vergleich zu der derzeitigen Menge von etwa 11.000 Millionen Tonnen globaler Kohlenstoff-Emissionen weltweit pro Jahr nicht so sehr viel erscheinen – wegen der besseren Vergleichbarkeit sind diese Angaben hier in Kohlenstoff, nicht in CO2. Doch das Umstellen auf Holz würde einen Unterschied für das Erreichen Klimastabilisierungsziele des Pariser Abkommens machen.

Das Autorenteam weist darauf hin, dass alle Länder der Welt CO2-Senken benötigen, um bis Mitte des Jahrhunderts den Ausstoß von Treibhausgasen auf netto Null zu senken. Nur mit solchen Senken sei es möglich, die verbleibenden schwer zu vermeidbaren Emissionen auszugleichen, etwa die aus der Landwirtschaft. Gebäude könnten eine solche Senke sein – wenn sie aus Holz gebaut werden. Ein fünfstöckiges Wohngebäude aus Brettschichtholz könne bis zu 180 Kilogramm Kohlenstoff pro Quadratmeter speichern, das sei dreimal mehr als in der oberirdischen Biomasse natürlicher Wälder mit hoher Kohlenstoffdichte.

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