Transparenz

Quelle: J&M Business Consulting GmbH

VWI Redaktion Keine Kommentare

Verbraucher und Abnehmer fordern verstärkt Transparenz hinsichtlich Herkunft und Zusammensetzung von Produkten und Erzeugnissen. Dieser Trend wird zunehmend auch vom Gesetzgeber erkannt und mittels neuer Richtlinien und Verordnungen in geltendes Recht überführt. Der Rahmen spannt sich hierbei von der Herstellung bis hin zur Entsorgung und Verwertung der Produkte. Während zur Verbesserung von Sozial- und Umweltstandards in Herstellungsländern die Verabschiedung eines Lieferkettengesetzes geplant ist, hat die Abfallrahmenrichtlinie der EU nachhaltigeres Wirtschaften zum Ziel – bis hin zu einer verwirklichten Kreislaufwirtschaft.

Die Erweiterte Abfallrahmenrichtlinie von 2018

Das Recycling von Erzeugnissen wird durch als besonders besorgniserregende eingestufte Stoffe erschwert, sogenannte SVHC (Substances of Very High Concern). Diese in der REACH-Verordnung (1) festgelegten Stoffe haben je nach Einsatz das Potenzial einer besonders schwerwiegenden Auswirkung auf Mensch und Umwelt. Beispielsweise rufen diese als endokrine Disruptoren neurologische Entwicklungsstörungen hervor oder werden als krebserregend eingestuft. Bekannte Beispiele sind Weichmacher in Kunststoffen oder Metalle wie Blei und Cadmium.

In der erweiterten Abfallrahmenrichtlinie wurde daher das Aufsetzen einer Datenbank beschlossen, mit der Absicht, solche SVHC in Produkten über den gesamtem Lebenszyklus zu verfolgen und diese bei der Müllverwertung zu berücksichtigen zu können. Diese Fähigkeit ist ein Aspekt der Material Compliance – der Fähigkeit, die Zusammensetzung und Konzentration in Produkten und den darin verbauten Komponenten zu kennen und zu steuern.

Ein wesentliches Ziel für nachhaltige und effiziente Material Compliance muss daher ein systematischer Ansatz zur Erfassung der im Produkt enthaltenen Substanzen sein.

Die SCIP-Datenbank

Ab Januar 2021 sind Hersteller und Lieferanten verpflichtet, SVHC in ihren Produkten entsprechend der REACH-Verordnung in der zentralen EU-weit gültigen SCIP-Datenbank anzuzeigen (2). In Ergänzung zu den bereits bestehenden Deklarationspflichten gemäß REACH erfordert die SCIP-Datenbank unter anderem eine Information darüber, wo in Produkten genau SVHC mit einem Anteil oberhalb 0,1 Prozent nach Gewicht lokalisiert sind.

Aus diesem Anspruch folgen große Herausforderungen auf die Entwicklungs- und QM-Prozesse, vor allem aber auch auf das Lieferantenmanagement. Insbesondere hoch komplexe Produkte mit breitem oder sogar offenen Variantenraum basieren auf komplexen und volatilen Lieferketten. Substanzinformationen innerhalb der Supply Chain zu kommunizieren und zu verarbeiten wird zukünftig gleichermaßen notwendig wie schwierig.

Herausforderungen an Hersteller und Lieferanten

Die Verpflichtung zur Deklaration wird einen Großteil der herstellenden Industrie betreffen, von KMU über mittelständische Unternehmen bis zu Konzernen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen verfügen nur über begrenzte organisatorische und personelle Kapazitäten, sich den damit verbundenen Aufgaben zu stellen. Durch seine Auswirkungen berührt das Thema mehrere Abteilungen und Strukturen entlang des Wertstroms. Material Compliance betrifft diese in unterschiedlicher Ausprägung, was bei der zukünftigen Prozessgestaltung zu berücksichtigen ist. Hinzu kommt ein oftmals nicht ausreichender Einfluss auf Zulieferer außerhalb des europäischen Wirtschaftsraums und damit eine eingeschränkte Möglichkeit, diese im erforderlichen Maß zur Kooperation zu sensibilisieren.

Die Analyse der bestehenden Lieferkette, sowie die priorisierte, schrittweise Qualifizierung hin zu einem Lieferantenmanagement, das den Erfordernissen der SCIP-Datenbank gerecht wird, ist Basis der Material Compliance.

TransparenzQuelle: J&M Business Consulting GmbH

Self-Assessment und Web-Infotag für Unternehmen zur SCIP-Datenbank

Für Unternehmen stellt sich die Frage, welche Vorbereitungen zur Deklaration ihrer Erzeugnisse in der SCIP-Datenbank getroffen werden müssen. Die J&M Business-Consulting GmbH hat hierzu ein Self-Assessment für Unternehmen entworfen, die damit ihre organisatorischen sowie prozess- und IT-bezogenen Voraussetzungen einschätzen können. Auf Basis dieser Einschätzung ist ein Benchmarking mit vergleichbaren Unternehmen vorgesehen.

Um die SCIP-Datenbank und seine Bedeutung für Unternehmen zu beleuchten, veranstaltet der VDMA hierzu am 27. August einen Web-Infotag.

Weiterführende Links:

Mitglieder des VWI sowie VDMA erhalten von der J&M Business Consulting GmbH auf Anfrage eine kostenfreie und unverbindliche Übersicht über das Thema sowie die Aspekte, die von Unternehmen zu untersuchen sind, um ihrer Produktverantwortung gerecht zu werden.

Weiterführende Links:
1 Echa SCIP-Datenbank (SCIP: Substances of Concern in Products).
2 Die REACH-Verordnung der EU

Ein Gastbeitrag der J&M Business Consulting GmbH. Dieser Artikel wurde auch auf LinkedIn publiziert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.