Quelle: VDW

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Einzelfertigung robust und synchronisiert planen

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT entwickelt zurzeit ein Softwaretool, das Einzelfertigern eine robuste synchronisierte Produktionsplanung ermöglichen soll. Interessierte Unternehmen sind als Projektpartner willkommen.

Die Produktion individualisierter Produkte ist oft nur bedingt planbar, da den Unternehmen häufig genaue Informationen über die voraussichtliche Bearbeitungszeit fehlen. Auf solche Informationen ist jedoch besonders der Werkzeugbau angewiesen, um seinen Kunden verlässliche Lieferzeiten versprechen zu können. Im Forschungsprojekt PARSyP entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen daher gemeinsam mit drei Industriepartnern ein Softwaretool, das Einzelfertigern eine robuste synchronisierte Produktionsplanung ermöglichen soll. Die Projektpartner erproben die Software zunächst am Beispiel der Werkzeugfertigung für den Spritzguss und das Umformen. Später soll das Tool auch an andere Anwendungen in der Einzelfertigung angepasst werden.

Ziel: Produktionsplanung wie in der Großserie

Ziel des Projekts ist, bereits vorhandene Produktionsdaten so nutzen zu können, dass eine robuste synchronisierte Produktionsplanung wie in der Großserie auch in der Einzelfertigung gelingt. Anhand des Softwaretools, das von den Partnern im Projekt entwickelt wird, sollen Unternehmen bereits während der Erstellung des Angebots den Zeitaufwand abschätzen, verlässlicher planen, Betriebsabläufe optimieren und dadurch Termine besser einhalten können. Dafür ergänzen die Projektpartner die bereits bestehende Softwarelösung synchroTecS mit einem neuen Algorithmus. Damit sollen sich dann auch Zeitunsicherheiten und Wahrscheinlichkeiten bei der Auftragsplanung einbeziehen und so die Planungssicherheit auf Basis der vorliegenden Produktionsdaten deutlich präziser als bisher vorhersagen lassen. Maschinenauslastung, Durchlaufzeiten und Lieferzeiten sollen auf diese Weise verlässlicher geplant werden können, als das in der Einzelfertigung heute üblich ist.

Einige Unternehmen sind den IPT-Forschern zufolge bereits dabei, geeignete Prinzipien der Serienfertigung auf die Einzelfertigung zu übertragen, indem beispielsweise Materialflüsse definiert und auf sogenannten Taktpaletten gebündelt werden. Bei der Aufgabe, die Aufträge logistisch zu bündeln und einen produktionsweiten Takt einzuführen, soll die Weiterentwicklung der Software im Projekt PARSyP den Prozessplaner jetzt noch umfassender unterstützen.

Projektpartner willkommen

Wie das Fraunhofer IPT weiter mitteilt, können sich interessierte Unternehmen, die bereits an der Entwicklung der Software mitwirken möchten, noch als Partner am Projekt beteiligen, mit den Forschern die Ergebnisse diskutieren und eigene Ideen einbringen. Das Konsortium wird bereits jetzt durch die Phoenix Contact Deutschland GmbH, die Werkzeugbau Siegfried Hofmann GmbH, die Meissner AG und die WIRO Präzisions-Werkzeugbau GmbH & Co.KG unterstützt. Zum Projektkonsortium selbst gehören neben der innoTecS Ingenieurgesellschaft mbH als Konsortialführer und dem Fraunhofer IPT die Fischer GmbH (Geringswalde), die Promatix GmbH (Laupheim) und die WESKO GmbH (Stollberg). Das Forschungsprojekt wird über die Fördermaßnahme „KMU-innovativ: Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT)“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für 30 Monate gefördert. (ph)

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Bedeutung und Reichweite von Social Bots

Social Bots werden in Sozialen Netzwerken gezielt dazu eingesetzt, Meinungen zu manipulieren. Das aktuelle Magazin der Helmholtz-Gemeinschaft analysiert den Einfluss der Algorithmen und lässt dazu unter anderem KIT-Professor und Wirtschaftsingenieur York Sure-Vetter zu Wort kommen.

Mit der Präsidentschaftswahl in den USA bekam das Thema einen enormen Aufschwung, doch auch schon beim Brexit-Referendum wurde viel darüber diskutiert: die Verbreitung von politischer Propaganda und Fake News auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter. Dahinter stecken nicht nur menschliche Internetnutzer, sondern auch eigens geschriebene Computerprogramme, sogenannte Social Bots. Diese sind in der Lage, selbstständig Nachrichten zu versenden und mit anderen Nutzern zu interagieren. Mögliche Ziele ihrer Programmierung: den politischen Gegner diskreditieren, Masse zur Verstärkung von Meinungen erzeugen, Statistiken verdrehen, Stimmungen heraufbeschwören, Menschen verunsichern.

Möglichkeit des Dual-Use immer gegeben

Da im September in Deutschland Bundestagswahlen sind und Social Bots im Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen könnten, untersucht die Helmholtz-Gemeinschaft in der aktuellen Ausgabe ihres Magazins „Perspektiven“ (Heft Juli 2017) die mögliche Reichweite und Bedeutung dieser Algorithmen. York Sure-Vetter – einer der zitierten Experten – sieht die Gefahr von Social Bots für Wahlkämpfe gelassen. „Die Bevölkerung hierzulande ist nüchterner und aufmerksamer als in den USA“, sagt der Wirtschaftsingenieur, der als Universitätsprofessor am Institut für Angewandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren (AIFB) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) tätig ist. Wie bei jeder Technologie gebe es die Möglichkeit des sogenannten Dual-Use, also der Nutzung für positive und für negative Zwecke. Der Wissenschaftler erinnert in dem Perspektiven-Artikel an Spam-Mails: Nach einer Phase des intensiven Aufrüstens auf beiden Seiten, bei Spammern ebenso wie bei E-Mail-Anbietern, sei inzwischen ein Gleichgewicht entstanden. Ähnliches erwartet er bei den Social Bots: Die Abwehrmechanismen gegen missbräuchliche Nutzung würden über kurz oder lang so gut werden, dass sich ihr Einsatz oft nicht mehr lohne.

„Nur mit einem interdisziplinären Ansatz kann ein tieferes Verständnis von Chancen, Potenzialen, Wirkungsweisen und auch Risiken von sozio-technischen Plattformen wie sozialen Medien erlangt werden“, so Sure-Vetter weiter. In einem zweiseitigen ergänzenden Interview erläutert er seine Forschungsarbeit an der Schnittstelle von Informatik und Geisteswissenschaften und was ihn immer wieder an Sozialen Medien fasziniert. (ph)

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Solarthermie für industrielle Wärmeprozesse

Viele Wärmeprozesse in Industrie und Gewerbe lassen sich mit solarthermischer Energie unterstützen. Das BINE-Themeninfo „Solare Prozesswärme“ stellt mögliche Einsatzfelder und technische Besonderheiten dieser Technologie vor.

Trocknen, reinigen, vorwärmen: Rund 30 Prozent des Wärmebedarfs der Industrie erstreckt sich auf das für Solarthermie gut geeignete Temperaturniveau bis 200 Grad Celsius. Das theoretische Potenzial, Solarthermie für industrielle Wärmeprozesse zu nutzen, ist also groß – zumal Unternehmen so langfristig ihre CO2-Bilanz verbessern und Energiekosten sparen können. Allerdings konkurriert die Technologie mit alternativen oder ergänzenden Maßnahmen wie Abwärmenutzung, KWK-Lösungen oder Effizienzmaßnahmen.

Das jetzt veröffentlichte Papier „Solare Prozesswärme“ des BINE-Informationsdienstes beschreibt, wie und an welchen Punkten Solarthermie in industrielle Prozesse eingebunden werden kann. Verfasser des BINE-Themeninfos ist ein Autorenteam des Instituts für Thermische Energietechnik der Universität Kassel sowie vom Institut für Solarenergieforschung Hameln (ISFH). In dem Themeninfo analysieren die Autoren einzelne Integrationspunkte und beschreiben mögliche Prozesse. Konkrete Anlagenbeispiele illustrieren und ergänzen dabei die theoretischen Informationen – aktuell befinden sich laut BINE in Deutschland über 200 solare Prozesswärmeanlagen in Betrieb, Bau oder Planung. Handlungsempfehlungen, praxisorientierte Angaben zu Wirtschaftlichkeit und finanziellen Fördermöglichkeiten sowie Branchenkonzepte sollen zudem Interessenten helfen, die Machbarkeit im eigenen Unternehmen abzuschätzen. Besonders die Lebensmittelindustrie bietet laut BINE viele potenzielle Einsatzfelder. (ph)

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Studie zu ethischen Entscheidungen von Maschinen

Maschinen können bald moralisches Verhalten von Menschen imitieren. Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück.

Autonome selbstfahrende Autos werden die erste Generation von Robotern sein, mit den Menschen ihren alltäglichen Lebensraum teilen. Für dieses Miteinander sind Regeln für und Erwartungen an autonome Systeme notwendig, die definieren, wie sich solche Systeme in kritischen Situationen verhalten sollen. Das Institut für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück hat jetzt im Magazin Frontiers in Behavioral Neuroscience eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass menschlich-ethische Entscheidungen in Maschinen implementiert werden und autonome Fahrzeuge bald moralische Dilemmata im Straßenverkehr bewältigen können („Using Virtual Reality to Assess Ethical Decisions in Road Traffic Scenarios: Applicability of Value-of-Life-Based Models and Influences of Time Pressure”). Diese Osnabrücker Erkenntnisse widersprechen bisherigen Annahmen: Im Zuge der Debatte zur Modellierbarkeit von moralischen Entscheidungen hat eine Initiative des Bundesministeriums für Transport und Digitale Infrastruktur (BMVI) 20 ethische Prinzipien formuliert; das achte Prinzip dieses BMVI-Berichtes gründet auf der Annahme, dass moralische Entscheidungen nicht modellierbar sind.

Verhalten analysieren und statistisch beschreiben

„Um Regeln oder Empfehlungen definieren zu können sind zwei Schritte notwendig“, erklärt Prof. Dr. Gordon Pipa, einer der leitenden Wissenschaftler der Studie. Zunächst müsse man menschliche moralische Entscheidungen in kritischen Situationen analysieren und verstehen. Danach müsse man dieses menschliche Verhalten statistisch beschreiben, um Regeln ableiten zu können, die in Maschinen genutzt werden können. Für die Realisierung beider Schritte haben die Autoren eine virtuelle Realität genutzt und das Verhalten von Versuchspersonen in simulierten Verkehrssituationen beobachtet. Die Teilnehmer der Studie fuhren in dieser virtuellen Realität an einem nebligen Tag durch die Straßen eines typischen Vorortes. Im Verlauf der Experimente kam es zu unvermeidlichen und unerwarteten Dilemma-Situationen, bei denen Menschen, Tiere oder Objekte als Hindernisse auf den Fahrspuren standen – um den Hindernissen auf einer der beiden Fahrspuren ausweichen zu können, mussten die Teilnehmer eine moralische Abwägung treffen. Die beobachteten Entscheidungen haben die Forscher dann durch eine statistische Analyse ausgewertet und in Regeln übersetzt.

Die Ergebnisse der Experimente weisen den Forschern zufolge darauf hin, dass im Rahmen dieser unvermeidbaren Unfälle moralisches Verhalten durch eine einfache Wertigkeit des Lebens erklärt werden kann – für jeden Menschen, jedes Tier und jedes Objekt. Leon Sütfeld, der Hauptautor der Studie, erklärt dies so: „Das menschliche moralische Verhalten lässt sich durch den Vergleich von einer Wertigkeit des Lebens, das mit jedem Menschen, jedem Tier oder jedem Objekt assoziiert ist, erklären bzw. mit beachtlicher Präzision vorhersagen. Das zeigt, dass menschliche moralische Entscheidungen prinzipiell mit Regeln beschrieben werden können und dass diese Regeln als Konsequenz auch von Maschinen genutzt werden könnten.“

Regeln oder komplexes Abwägen

Algorithmen lassen sich entweder durch Regeln beschreiben oder durch statistische Modelle, die mehrere Faktoren miteinander in Bezug setzen können, so die Forscher. Gesetze beispielsweise seien regelbasiert. Menschliches Verhalten und moderne künstliche intelligente Systeme hingegen würden eher auf einem komplexen statistischen Abwägen beruhen. Dieses Abwägen erlaube es beiden – dem Menschen und den modernen künstlichen Intelligenzen – auch neue Situationen bewerten zu können. Eine solche dem menschlichen Verhalten ähnliche Methodik haben die Osnabrücker Forscher zur Beschreibung der Daten genutzt. „Deshalb müssen die Regeln nicht abstrakt am Schreibtisch durch einen Menschen formuliert, sondern aus dem menschlichen Verhalten abgeleitet und gelernt werden“, sagt Sütfeld: „So stellt sich die Frage, ob man diese nun gelernten und konzeptualisierten Regeln nicht auch als moralischen Aspekt in Maschinen nutzen sollte.“

Prof. Dr. Peter König, weiterer Autor dieser Veröffentlichung, weist jedoch darauf hin, dass zwei moralische Dilemmata weiter ungelöst sind, obwohl „wir jetzt wissen, wie wir moralische Entscheidungen in die Maschinen implementieren können: Erstens müssen wir uns über den Einfluss von moralischen Werten auf die Richtlinien für maschinelles Verhalten entscheiden. Zweitens müssen wir uns überlegen, ob wir es wollen, dass Maschinen sich (nur) menschlich verhalten sollen.“ (ph)

Ein Thema des VWI-Arbeitskreises Automotive.

Quelle: BPW/Leo Seidel

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TU-Start-up gewinnt Businessplan-Wettbewerb

Mit seinem Geschäftskonzept rund um kabelgebundene Flugsysteme für industrielle Anwendungen hat das Berliner Start-up ArrowTec den Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg gewonnen. Zu den Gründern gehört der angehende Wirtschaftsingenieur Samuel Benner.

Die ArrowTec GmbH hat sich in der dritten und letzten Runde des diesjährigen Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg gegen 389 Konkurrenten durchgesetzt: Ihr Businessplan wurde in der Kategorie „BPW Plan“ mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Das Gründungsteam des Start-ups, das seit 2016 vom Centre for Entrepreneurship und dem Fachgebiet Konstruktion von Maschinensystemen der TU Berlin betreut und mit dem EXIST-Gründerstipendium unterstützt wird, besteht aus den Entwicklern Josua Benner, Marie Benner und Jan Beckmann sowie Samuel Benner, der unter anderem für Geschäftsführung & Marketing zuständig ist und zurzeit an TU Berlin Wirtschaftsingenieurwesen studiert.

Nahezu unbegrenzte Flugzeit

ArrowTec hat einen kabelgebundenen Flugroboter entwickelt, den ArrowTec Long Endurance 8, der den einfachen und sicheren Einsatz von Flugrobotik in vielfältigen industriellen Anwendungsbereichen ermöglichen soll. Bei dem Produkt wird eine Bodenstation über ein Kabel mit einem Multicopter verbunden. Durch eine offene Systemarchitektur lassen sich Kameras, Sensoren und weitere Geräte schnell und zuverlässig einbinden. Die Stärken dieser Technologie liegen den BPW-Unterlagen zufolge darin, dass eine nahezu unbegrenzte Flugzeit sowie der Transport hoher Nutzlasten möglich sind. ArrowTec garantiert den Kunden des Weiteren eine größtmögliche Sicherheit: Aufgrund der komplett kabelgestützten Übertragung von Daten und Energie ist das System immun gegen Störungen und Hackerangriffe. Die Positionsbestimmung des Fluggerätes ist GPS-unabhängig, denn Bodenstation und Multicopter sind in ständigem Positionsabgleich. Zudem ist das System selbsterklärend konzipiert: Starten und Landen auf Knopfdruck sowie der autonome Betrieb sollen den einfachen Einsatz innerhalb von Sekunden ermöglichen.

Eigens entwickelte 3D-Technologie

„Unser Ziel ist die Steigerung von Effizienz und Produktivität beim Einsatz von Drohnen“, heißt es bei ArrowTec. Das Unternehmen will aufgrund der nahezu unbegrenzten Flugzeit seiner Systeme neue Anwendungsfelder eröffnen, beispielsweise komplexe industrielle Inspektionen oder die dauerhafte Übertragung von Bildern und Daten. „Bei der Herstellung unserer Drohnen verwenden wir eine eigens entwickelte 3D-Druck-Technologie“, so ArrowTec weiter: „Dadurch können wir flexibel auf Kundenwünsche reagieren und eine hohe Qualität und Zuverlässigkeit unserer Produkte garantieren.“

Der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) gilt als die größte regionale Gründungsinitiative in Deutschland. Er wird von der Investitionsbank Berlin (IBB), der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) sowie den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg (UVB) organisiert. Träger des Wettbewerbs sind die Hochschulen in Berlin und Brandenburg. (ph)

Quelle: DLR Stuttgart

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Konzept für den Güterzug der Zukunft

Verkehrsforscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt wollen die Attraktivität des Schienengüterverkehrs steigern. Ihr Projekt namens NGT Cargo soll das autonome Fahren auf der Schiene voranbringen.

Experten erwarten, dass der Güterverkehr in Deutschland bis 2030 um fast vierzig Prozent zunimmt. Der Anteil des Schienengüterverkehrs am Gesamttransportaufkommen stagniert jedoch; die politisch gewollte Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schienen findet nicht statt. „Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir innovative Logistik-, Produktions- und Fahrzeugkonzepte entwickeln, um die gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Vorteile des Schienengüterverkehrs zu erschließen“, sagt Dr. Joachim Winter, der beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) das Projekt Next Generation Train (NGT) leitet. Mit dem Triebwagenzug NGT Cargo haben die Verkehrsforscher jetzt ein Konzept für den Güterzug der Zukunft vorgestellt, das die Attraktivität und damit den Anteil der Schiene am europäischen Güterverkehr deutlich steigern soll.

Intelligente Technik statt starrer Betriebsabläufe

Ein hoher Automatisierungsgrad, eine intelligente Abfertigung und höhere Geschwindigkeiten sind den Forschern zufolge die wesentlichen Merkmale des NGT Cargo: Die automatisch fahrenden Züge werden je nach Bedarf aus Einzelwagen und leistungsstarken Triebköpfen zusammengestellt und automatisch gekuppelt. „Ganzzüge, die nicht rangiert werden und mit ganz vielen Wagen eine große, einheitliche Frachtmenge von Punkt A nach Punkt B bringen, beherrschen aktuell den Güterverkehr“, so Winter. Hinter dem Einzelwagenverkehr stehe bisher ein sehr aufwändiger Prozess mit starren Betriebsabläufen: Das Zusammenstellen und Trennen von Wagen, deren Abholung und Zustellung seien sehr ressourcen- und zeitintensiv und für rund 30 bis 40 Prozent der Gesamtkosten verantwortlich. Eine Vielzahl manueller Kupplungsvorgänge führe zu langen Stillstandszeiten der einzelnen Wagen und einer durchschnittlichen Systemgeschwindigkeit von nur 18 Stundenkilometern im Einzelwagenverkehr. Zudem seien rund fünf Tage Vorlaufzeit notwendig, um Personal, Material und Trassen zur Verfügung zu stellen.

Beim NGT Cargo verfügen die intelligenten Güterwagen über einen eigenen Antrieb, der auf Elektromotoren basiert, und über eine Batterie, welche die beim Bremsen zurückgewonnene Energie speichert. Dadurch können die Einzelwagen selbstständig rangieren; Rangierpersonal und Rangierloks oder Oberleitungen entfallen. Außerdem können die Einzelwagen automatisch und autonom die letzten Kilometer zum jeweiligen Kunden fahren. Dazu ist jeder Einzelwagen mit entsprechender Sensorik ausgestattet, die auch Informationen zum aktuellen Status und der erwarteten Ankunftszeit übermitteln kann. Die Wagen können zudem direkt in Häfen, Umschlagbahnhöfe oder Logistikterminals hineinfahren – bis zu den Hochregalen, wo sie dann ebenfalls automatisiert be- oder entladen werden. Die DLR-Wissenschaftler arbeiten bereits an einem detaillierten Logistik- und Betriebskonzept sowie dem Design von Terminals und Entladestellen.

Mit dynamischer Flügelung virtuell verbinden

Für den Betrieb im Hochgeschwindigkeitsbereich sollen die Einzelwagen einen Verband bilden und mit ein bis zwei Triebköpfen zu einem vollständigen Triebwagenzug zusammengestellt werden können. Im Gegensatz zu aktuell fahrenden Güterwagen werden die Wagen des NGT Cargo geschlossen und aerodynamisch verkleidet sein. Dabei verschwinden auch die Lücken zwischen den einzelnen Wagen, was den Fahrwiderstand verringern und so weniger Lärm verursachen soll. Mehrere Triebwagenzüge lassen sich zudem während der Fahrt virtuell kombinieren: Sie bilden mit Hilfe des sogenannten dynamischen Flügelns einen Zugverband, sind aber nicht mit einer materiellen Kupplung verbunden. Auch eine Kopplung mit dem vom DLR entwickelten Hochgeschwindigkeitspersonenzug NGT HST soll möglich sein, um Personen- und Güterverkehr bündeln und vorhandene Streckenkapazitäten optimal nutzen zu können. (ph)

Quelle: Pixelio/Rike

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Digital Natives bevorzugen persönlichen Kontakt

Die diesjährigen Hochschulabsolventen in Deutschland sind mit digitaler Kommunikation groß geworden. Trotzdem halten sie die zwischenmenschliche Interaktion im Beruf für besonders wichtig, wie die Absolventenstudie 2017 von Accenture Strategy zeigt.

Obwohl der aktuelle Jahrgang deutscher Hochschulabsolventen mit digitaler Kommunikation groß geworden ist, steht das Zwischenmenschliche hoch im Kurs. Das ist das Ergebnis der Absolventenstudie 2017 des Beratungsunternehmens Accenture Strategy. Dieser Umfrage zufolge bevorzugt fast ein Drittel (30 Prozent) den persönlichen Austausch mit Kollegen von Angesicht zu Angesicht. Digitale Instrumente wie Web-basierte Tools (20 Prozent), Soziale Medien (18 Prozent) oder E-Mail (14 Prozent) rangieren hinter dem direkten Kontakt.

Passend zu ihrer Sicht auf die Kommunikation im Beruf schätzen die Absolventen die wichtigsten Kompetenzen ein, auf die Arbeitgeber ihrer Meinung nach Wert legen: Die Befragten sehen in Kommunikationsfähigkeit (38 Prozent) und Lösungsorientierung (36 Prozent) die Top-Skills, die es zu entwickeln gilt. Besonderen Wert legen Absolventen auch auf eine gute Beziehung zu ihren Vorgesetzten – ein potenziell schlechtes Verhältnis zum Chef trat bei der Accenture-Umfrage als eine ihrer größten Sorgen zutage.

Weiteres Ergebnis der Studie: Obwohl Absolventen ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten verbessern wollen, erkennen sie auch, dass Menschen und Maschinen als Team arbeiten müssen. 60 Prozent der Befragten begrüßen neue digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz und erwarten, dass diese positive Auswirkungen auf das Arbeitsleben haben werden. 77 Prozent der Absolventen glauben, dass ihr Studium sie gut auf die Zusammenarbeit mit dieser digitalen Belegschaft vorbereitet hat.

Accenture zufolge ist es nicht verwunderlich, dass Digital Natives sich weniger um ihre Kompetenz beim Umgang mit neuen Technologien sorgen als um die Beherrschung der weicheren Fähigkeiten wie Kommunikationsfähigkeit, Sozialkompetenz und Führungsqualitäten: Sie leben in einer vernetzten Welt, in der Menschen und Maschinen so lange koexistieren, wie sie sich erinnern können. „Die neue Generation von Absolventen ist in einer Welt aufgewachsen, in der sich der digitale Wandel rasant beschleunigt hat“, sagt Rouven Fuchs, Geschäftsführer im Bereich Talent & Organization bei Accenture Strategy. „Mit immer neuen digitalen Tools zu arbeiten, fällt daher den meisten leichter, als sich sogenannte ‚Soft Skills‘ anzueignen.“ Für die deutsche Ausgabe der Studie „Gen Z Rising“ hat Accenture Strategy mehr als 1000 Studenten befragt, die in diesem Jahr ihren Abschluss machen, sowie über 1000 Absolventen, die 2016 beziehungsweise 2015 ihr Studium abgeschlossen haben und mittlerweile im Berufsleben angekommen sind. (ph)

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Von Fahrerassistenzsystemen zum automatisierten Fahren

Dem Verband der Automobilindustrie (VDA) zufolge können Automatisierung und Vernetzung das Autofahren effizienter, sicherer und umweltverträglicher machen. Die Broschüre „Automatisierung – Von Fahrerassistenzsystemen zum automatisierten Fahren“ bietet einen Überblick über alle dafür relevanten Themenfelder.

Die Vision des automatisierten Fahrens ist nicht neu: Schon 1939 wurde die Idee auf der New Yorker Weltausstellung in der Ausstellung „Futurama“ präsentiert. 1960, so hieß es damals, sollte es so weit sein – das war verfrüht, aber erste Konzepte für vollautomatisierte Langstreckenfahrten auf den amerikanischen Highways entwickelten Ingenieure bereits in den 1950er Jahren. Der Leitgedanke schon damals: Die zukünftigen Technologien sollten den Menschen ein bis dahin ungeahntes Maß an Komfort und Sicherheit bieten.

Viele Arbeitsfelder relevant

Die Entwicklung ist mittlerweile weit vorangeschritten. Der technologische Fortschritt auf dem Weg zur Automatisierung zeigt sich bereits in modernen Fahrzeugen, die vermehrt Fahrerassistenzsysteme (FAS) besitzen. Aus Sicht des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) bieten Automatisierung und Vernetzung die Chance, das Autofahren effizienter, sicherer und umweltverträglicher zu machen. Um das automatisierte und vernetzte Fahren tatsächlich auf die Straße zu bringen, über den Probebetrieb und die Entwicklung zur Serienreife bis zur Regelzulassung, müssen jedoch neben der Technologie noch viele weitere Themen bedacht und bearbeitet werden. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur beispielsweise hat folgende Handlungsfelder definiert, in denen die nötigen Voraussetzungen für die neue Technologie geschaffen werden sollen: Infrastruktur, Recht, Innovation, Vernetzung sowie IT-Sicherheit und Datenschutz.

Den aktuellen Stand beleuchtet der VDA auf seiner Themenseite zum automatisierten Fahren. Außerdem hat der Verband eine Broschüre mit dem Titel „Automatisierung – Von Fahrerassistenzsystemen zum automatisierten Fahren“ herausgegeben, die zum Download zur Verfügung steht. Diese Broschüre enthält einen Überblick über alle relevanten Themengebiete: globale Trends und die mobile Welt von morgen, der technologische Fortschritt und die Innovationen deutscher Ingenieurskunst, Entwicklung und Zukunft des automatisierten Fahrens, die Bedeutung von Nutzfahrzeugen als Innovationsträger der Automatisierung, automatisiertes Fahren und Vernetzung, Datenschutz und Datensicherheit sowie Gesetze und Rahmenbedingungen.

Gelungene Übersicht über das Zukunftsthema

„Die Broschüre bietet allen automobil- und technikinteressierten Wirtschaftsingenieuren eine gelungene Übersicht über das Zukunftsthema des autonomen beziehungsweise automatisierten Fahren“, sagt Matthias Bruske, Sprecher des VWI-Kompetenznetzwerks Automotive. Das gelte vor allem für jene Interessenten, die sich bislang noch nicht intensiv mit der Materie beschäftigt hätten. Bruske: „Die Broschüre ist zwar schon zur IAA 2015 erschienen. Aber für einen Überblick ist sie weiterhin gut geeignet, denn es werden alle relevanten Bereiche angerissen und miteinander in Verbindung gebracht.“ (ph)

Ein Thema des VWI-Arbeitskreises Automotive.

Quelle: Pixelio/Thorben Wengert

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Projektmanagement: In vier Schritten zur richtigen Software

Die Evaluierung und Auswahl einer Projektmanagement-Software ist ein komplexer Prozess. Eine umfassende methodische Vorgehensweise kann das Verfahren vereinfachen.

Einer der häufigsten Fehler, den Käufer einer Enterprise Software begehen, ist eine reaktive Herangehensweise an die Evaluierung und Auswahl eines neuen Systems. Diese Erfahrung hat zumindest das Unternehmen Genios Project gemacht. Aufgrund einseitiger Anforderungen und Herausforderungen, die Firmen in der jeweils aktuellen Situation bewältigen müssen, kommt es demnach häufig vor, dass Unternehmen sich vorab nicht intensiv genug mit ihrem Bedarf sowie den Langzeit-Auswirkungen beschäftigen, die ein neu erworbenes System mit sich bringt. Das gelte vor allem für projektorientierte Unternehmen, die auf der Suche nach einem PM-System sind, um ihre täglichen Aufgaben damit meistern zu können. Dabei seien der Markt und sein Angebot komplex: Es gebe eine Fülle von Optionen – von Standard-Projektmanagement-Werkzeugen, die als On-Demand-Lösung geliefert werden, bis hin zu umfassenden Projektportfoliomanagement-Systemen, die auf den Bedarf des Projekt Management Offices ausgerichtet sind.

Aus Sicht von Genios Project ist vor diesem Hintergrund eine strategische Vorgehensweise unerlässlich, um die am besten geeignete PM-Software zu finden. Käufer sollten zunächst die Problematik der Geschäftsvorgänge klar ermitteln, die Beteiligung der Stakeholder in Erfahrung bringen sowie einen Plan für den Evaluierungsprozess erstellen. Um Unternehmen diesen systematischen Auswahlprozess zu erleichtern, stellt Genius Project zum Thema „Die richtige Projektmanagement-Software für das Unternehmen finden“ online einen kostenlosen Leitfaden bereit. Dieser Leitfaden beinhaltet Tipps für vier wichtige Schritte eines Software-Evaluierungsprojekts: die Schwachstellen- bzw. Bedarfsermittlung, die strategische Recherche, bei der die passenden Informationsquellen ermittelt werden, die Evaluierung, bei der es um eine formelle Methode zur Sammlung von Anbieterinformationen geht, sowie schließlich die Anbieterauswahl, bei der diese Informationen analysiert und für eine Entscheidung genutzt werden. (ph)

Quelle: Pixelio/S. Hofschlaeger

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Bonussysteme können dem Arbeitsklima schaden

Leistungsbasierte Bonussysteme fördern den Wettbewerb unter Beschäftigten. Dieser Wettbewerb kann allerdings so weit gehen, dass sie sich untereinander schaden.

Der Kampf um Boni vergiftet das Arbeitsklima – das ist das Fazit von Prof. Dr. Niels Van Quaquebeke von der Kühne Logistics University und Daniel Gläser von der RespectResearchGroup der Universität Hamburg, die gemeinsam mit Dr. Suzanne van Gils von der Universität Maastricht die Auswirkungen von leistungsbasierten Bonussystemen in Organisationen untersucht haben. Unternehmen setzen demnach zur Mitarbeitermotivation gern auf solche sogenannte Pay-for-Performance- oder PfP-Systeme. Sie gelten als besonders effektives Mittel zur Steigerung der Motivation, da Beschäftigte finanzielle Boni erhalten, wenn sie bestimmte, im Vorfeld festgelegte Ziele erreichen. Den Wissenschaftlern zufolge beeinflussen diese Systeme allerdings das Verhalten am Arbeitsplatz nicht nur in der gewünschten, leistungssteigernden Weise: Sie fördern demnach auch soziale Vergleiche und Wettbewerb, was zu aggressivem Verhalten zwischen Beschäftigten führen könne – und sogar dazu, dass sich Kollegen untereinander aktiv schaden.

In einer branchenübergreifenden Querschnittsstudie und zwei Experimenten haben die Autoren diese negativen Konsequenzen für den einzelnen Mitarbeiter und die Gesamtorganisation untersucht. „In einem Unternehmen, dessen Erfolg von Wissensaustausch, Innovation und guter kollegialer Zusammenarbeit seiner Mitarbeiter und Führungskräfte abhängt, vergiftet ein aggressiver Wettbewerb zwischen den Kollegen das Arbeitsklima“, sagt Daniel Gläser. In diesem Fall könnten PfP-Systeme können für Organisationen zu einem Problem werden. Dabei müsse dieser Wettbewerb nicht einmal im System angelegt sein; es reiche, dass Mitarbeiter sich automatisch mehr mit anderen vergleichen und ein Wettbewerbsklima empfinden. Gläser weiter:„Wenn Mitarbeiter sich gegenseitig schaden und Leistungsträger das Unternehmen verlassen, schadet das auf lange Sicht dem gesamten Unternehmen.“

Negative Prozesse offenlegen

Die Autoren plädieren daher dafür, die möglichen negativen Prozesse hinter einem PfP-System in der Organisation offenzulegen und den durch die Systeme geschaffenen Wettbewerb genau im Blick zu behalten. Das gelte ganz besonders bei Mitarbeitern, deren individuelles Profil durch Konkurrenzdenken geprägt sei. „Wer einen starken Willen zum interpersonellen Vergleich hat und immer besser sein möchte als die anderen, spricht stark an auf die Reize durch Bonussysteme“, so Prof. Dr. Niels Van Quaquebeke. Dies könne dann zu aggressivem Verhalten führen. Daher empfehlen die Autoren bei der Einführung von PfP-Systemen, mögliche Konflikte zwischen kurzfristigen ökonomischen Zielen und der langfristig angestrebten Unternehmenskultur genau abzuwägen. Diverse Beispiele aus der Vergangenheit würden zeigen, dass überehrgeiziges Gewinnstreben dem Image des Unternehmens schaden oder gar zu schweren unternehmerischen Krisen führen könnten.

Der Fachbeitrag ist unter dem Titel „Pay-for-Performance and Interpersonal Deviance: Competitiveness as the Match that Lights the Fire“ im Magazin „Journal of Personnel Psychology“ erschienen und auch über ResearchGate abrufbar. (ph)