Quelle: Pixelio/S. Hofschlaeger

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Bonussysteme können dem Arbeitsklima schaden

Leistungsbasierte Bonussysteme fördern den Wettbewerb unter Beschäftigten. Dieser Wettbewerb kann allerdings so weit gehen, dass sie sich untereinander schaden.

Der Kampf um Boni vergiftet das Arbeitsklima – das ist das Fazit von Prof. Dr. Niels Van Quaquebeke von der Kühne Logistics University und Daniel Gläser von der RespectResearchGroup der Universität Hamburg, die gemeinsam mit Dr. Suzanne van Gils von der Universität Maastricht die Auswirkungen von leistungsbasierten Bonussystemen in Organisationen untersucht haben. Unternehmen setzen demnach zur Mitarbeitermotivation gern auf solche sogenannte Pay-for-Performance- oder PfP-Systeme. Sie gelten als besonders effektives Mittel zur Steigerung der Motivation, da Beschäftigte finanzielle Boni erhalten, wenn sie bestimmte, im Vorfeld festgelegte Ziele erreichen. Den Wissenschaftlern zufolge beeinflussen diese Systeme allerdings das Verhalten am Arbeitsplatz nicht nur in der gewünschten, leistungssteigernden Weise: Sie fördern demnach auch soziale Vergleiche und Wettbewerb, was zu aggressivem Verhalten zwischen Beschäftigten führen könne – und sogar dazu, dass sich Kollegen untereinander aktiv schaden.

In einer branchenübergreifenden Querschnittsstudie und zwei Experimenten haben die Autoren diese negativen Konsequenzen für den einzelnen Mitarbeiter und die Gesamtorganisation untersucht. „In einem Unternehmen, dessen Erfolg von Wissensaustausch, Innovation und guter kollegialer Zusammenarbeit seiner Mitarbeiter und Führungskräfte abhängt, vergiftet ein aggressiver Wettbewerb zwischen den Kollegen das Arbeitsklima“, sagt Daniel Gläser. In diesem Fall könnten PfP-Systeme können für Organisationen zu einem Problem werden. Dabei müsse dieser Wettbewerb nicht einmal im System angelegt sein; es reiche, dass Mitarbeiter sich automatisch mehr mit anderen vergleichen und ein Wettbewerbsklima empfinden. Gläser weiter:„Wenn Mitarbeiter sich gegenseitig schaden und Leistungsträger das Unternehmen verlassen, schadet das auf lange Sicht dem gesamten Unternehmen.“

Negative Prozesse offenlegen

Die Autoren plädieren daher dafür, die möglichen negativen Prozesse hinter einem PfP-System in der Organisation offenzulegen und den durch die Systeme geschaffenen Wettbewerb genau im Blick zu behalten. Das gelte ganz besonders bei Mitarbeitern, deren individuelles Profil durch Konkurrenzdenken geprägt sei. „Wer einen starken Willen zum interpersonellen Vergleich hat und immer besser sein möchte als die anderen, spricht stark an auf die Reize durch Bonussysteme“, so Prof. Dr. Niels Van Quaquebeke. Dies könne dann zu aggressivem Verhalten führen. Daher empfehlen die Autoren bei der Einführung von PfP-Systemen, mögliche Konflikte zwischen kurzfristigen ökonomischen Zielen und der langfristig angestrebten Unternehmenskultur genau abzuwägen. Diverse Beispiele aus der Vergangenheit würden zeigen, dass überehrgeiziges Gewinnstreben dem Image des Unternehmens schaden oder gar zu schweren unternehmerischen Krisen führen könnten.

Der Fachbeitrag ist unter dem Titel „Pay-for-Performance and Interpersonal Deviance: Competitiveness as the Match that Lights the Fire“ im Magazin „Journal of Personnel Psychology“ erschienen und auch über ResearchGate abrufbar. (ph)

Quelle: Stadtmessungsamt Stuttgart

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Strom aus lokalen Kleinwinden

Auch mit dem Wind, der in Städten um die Ecken pfeift, lässt sich Strom produzieren. Details zu Erzeugung und Speicherung erforscht das kooperative Promotionskolleg „Windy Cities“ in Stuttgart.

Das Stichwort Energiewende wird oft mit großen Windparks im Norden Deutschlands verbunden. Der Transport des Windstroms in den Süden der Republik erfordert jedoch aufwändige Hochspannungsleitungen, die vielfach umstritten sind. Wie sich lokale Kleinwinde für die Energiegewinnung nutzen lassen, die es in jeder Stadt entlang der Häuser gibt, erforscht daher das kooperative Promotionskolleg „Windy Cities“ der Universität Stuttgart, der Hochschule für Technik Stuttgart (HFT) und der Hochschule Esslingen. Im Stuttgarter Talkessel sind an heißen Sommerabenden solche lokalen Kleinwinde gut spürbar: Wenn die Sonne untergeht, strömt plötzlich ein sanfter Wind über die Talkanten in die Stadt und bringt Kühlung. Ähnliche Phänomene lassen sich auch an der Abbruchkante von Hausdächern beobachten.

Zusammenspiel von Erzeugung und Speicherung

Das Promotionskolleg Windy Cities will diese Thermiken mit Hilfe von Kleinwindkraftanlagen für die dezentrale Stromversorgung in urbanen Räumen nutzen. Dem Kolleg zufolge ist die Energieausbeute solcher Kleinwindkraftanlagen nicht unerheblich, jedoch stehen dem wirtschaftlichen Einsatz noch etliche Hürden entgegen. Ein besonderes Problem sind demnach die je nach Windstärke und Verbrauch fluktuierenden Energiemengen, die eine Herausforderung für die Netzstabilität und die Speichertechnologien darstellen. Im Rahmen von Windy Cities soll daher das Zusammenspiel zwischen der Umwandlung von Wind in Strom und der intelligenten Speicherung in urbaner Umgebung untersucht werden.

Zum einen wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine dynamische Gebäude- und Stromnetzsimulation auf der Basis eines 3D-Stadtquartiermodells entwickeln, mit der sich der Strombedarf in einem Stadtviertel sowie die Stromerzeugung in den nächsten 24 Stunden präzise vorhersagen lassen. Diese Simulation soll mit einem Smart-Meter-System gekoppelt werden, das den aktuellen Energieverbrauch erfasst und das so prognostizierte Lastprofil nutzt, um das Laden und Entladen beziehungsweise den Betrieb der Speichermedien – Batterien sowie Wärmepumpen mit Warmwasserspeicher – zu optimieren. Ziel des Kollegs ist es, primär den Eigenenergiebedarf des Gebäudes zu decken und die Einspeisung von Stromspitzen in das Stromnetz zu minimieren.

Wasserstoff-Batterie zu Mikroreaktoren weiterentwickeln

Ein weiteres Teilprojekt von Windy Cities zielt zudem darauf ab, neuartige chemische Speicher zu entwickeln. Dabei soll ein an der Universität Stuttgart entstandener Prototyp einer Wasserstoff-Batterie zu Mikroreaktoren weiterentwickelt werden, die sich parallel und in Serie verschalten lassen und einzeln ansteuerbar sind. Wasserstoff gilt in Verbindung mit der Rückverstromung über Wasserstoffbrennstoffzellen als besonders attraktiver Energieträger, weil er eine hohe Speicherdichte erreicht, den Kreislauf aus Energiekonversion, Speicherung und Bereitstellung optimal abbildet und einen geringen CO2-Fußabdruck hinterlässt. (ph)

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600 Kilometer die Elbe entlang schwimmen

Quelle: Joseph Heß

Wirtschaftsingenieur Joseph Heß ist nicht nur Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Juniorprofessur Entrepreneurship in Gründung und Nachfolge an der TU Chemnitz, sondern auch begeisterter Langstreckenschwimmer. Im August will er in zehn Tagen den deutschen Teil der Elbe durchschwimmen.

Anfang August wird es ernst für Joseph Heß. Der Wirtschaftsingenieur will den deutschen Teil der Elbe durchschwimmen – über 600 Kilometer in zehn Tagen, ohne Neoprenanzug. Außerhalb des Wassers arbeitet Heß als Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Juniorprofessur Entrepreneurship in Gründung und Nachfolge an der TU Chemnitz. Weil er zwischen Doktorarbeit und zwei Firmengründungen permanent das Handy am Ohr hat, musste ein Ausgleich her. Beim stundenlangen Schwimmen fand er schließlich die gesuchte Stille. Und bei mehreren 24-Stunden-Schwimmen kam die Faszination des Durchbeißens über lange Strecken hinzu.

Tagesetappen zwischen 60 und 80 Kilometer Länge

Ende 2016 schwamm der Doktorand in vier Stunden und 19 Minuten durch die 20,4 Kilometer breite Straße von Gibraltar von Europa nach Afrika. Die nächste Herausforderung steht in einem Zeitfenster vom 9. bis 14. Juli an: Ohne Pause will Joseph Hess durch den Bodensee schwimmen, eine Strecke über rund 40 Kilometer und durch alle drei Anrainerstaaten. Nach dieser Generalprobe will er schließlich nur mit Badeshorts, Kappe und Schwimmbrille am 4. August an der tschechischen Grenze bei Bad Schandau in die Elbe springen, um in zehn Tagen sieben Bundesländer zu durchqueren und schließlich am 13. August an der Elbmündung anzukommen. Das bedeutet Tagesetappen zwischen 60 und 80 Kilometer. Sein Vater wird ihn auf einem Beiboot begleiten, für weitere Unterstützung sorgen eine Freundin auf einem Standup-Paddel sowie sein Geschäftspartner, ein erfahrener Kanut.

Crowdfunding soll Kosten decken

Unterstützt wird dieses Schwimmvorhaben auch von Jun.-Prof. Dr. Mario Geißler, Inhaber der Juniorprofessur Entrepreneurship in Gründung und Nachfolge an der TU Chemnitz. Er entwickelte mit Heß eine Crowdfunding-Kampagne, über die ein Teil der Kosten eingespielt werden soll. Beispielsweise können für zehn Euro sogenannte Kilometer-Patenschaften erworben werden – und für 500 Euro will der Schwimmer beim Spender einen Vortragsabend mit Videos, Fotos, Geschichten und vor allem den gesammelten Erfahrungen gestalten.

Unterwegs will Joseph Hess übrigens seine nächste Geschäftsidee testen: eine neu entwickelte Vaseline, mit der sich Freiwasserschwimmer beim stundenlangen Kraulen durch Salzwasser vor wunden Stellen schützen können. Die kommt im Herbst dann eventuell schon beim geplanten Abschluss der diesjährigen Schwimmsaison zum Einsatz. Heß hat sich mit anderen Schwimmern für die Straße von Bonifacio verabredet – ein vergleichsweise entspanntes Vorhaben, denn die schmalste Stelle zwischen Korsika und Sardinien ist gerade mal rund 13 Kilometer lang. (ph)

Quelle: Deutsche Bahn AG/Uwe Miethe

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DB-Accelerator Beyond1435 geht in die zweite Runde

Das Förderprogramm Beyond1435, das die Deutsche Bahn in Kooperation mit Plug and Play durchführt, nimmt wieder Bewerbungen entgegen. Gesucht werden Start-ups mit innovativen Technologien und hohem Wachstumspotenzial in den Bereichen Mobilität, Logistik und Infrastruktur.

Anfang 2017 hat die Deutsche Bahn verkündet, zukünftig noch stärker auf Start-ups setzen zu wollen. Unter dem Titel Beyond1435 hat sich daher der DB-Accelerator – das unternehmenseigene Start-up-Förderprogramm – in Kooperation mit der Innovationsplattform Plug and Play Gründern geöffnet, die auch jenseits des DB-Kerngeschäfts Schiene an der digitalen Zukunft der Mobilität arbeiten. Jetzt geht das Programm in die zweite Runde: Bis zum 31. August 2017 können sich Start-ups mit innovativen Technologien und hohem Wachstumspotenzial im Bereich Mobilität, Logistik und Infrastruktur für die aktuelle Förderrunde bewerben. Der Fokus liegt der Ausschreibung zufolge auf den Themen Smart Mobility, Smart City, Smart Logistics, Big Data und Internet of Things. Die Entscheidung der Jury fällt am 20. September, das Programm beginnt am 16. Oktober.

Fahrkarte ins Silicon Valley

Der Projektseite von Beyond1435 zufolge bekommen die ausgewählten Start-ups für 100 Tage Unterstützung in der DB mindbox in Berlin, 25.000 Euro Startgeld sowie Zugang zum Daten- und Mentoren-Netzwerk von DB und Plug and Play. Zum Programmende sind demnach darüber hinaus eine Verlängerung im Silicon Valley, Anschlussfinanzierungen und Beteiligungen möglich: DB Digital Ventures und Plug and Play wollen nach Abschluss des Accelerator-Programms in die vielversprechendsten Ideen investieren. Allein bei der Deutschen Bahn sollen bis 2018 rund eine Milliarde Euro allein in Digitalisierungsprojekte fließen; zusätzlich stehen bis 2019 rund 100 Millionen Euro Wagniskapital für Gründer und Joint Ventures bereit.

Der Programmname Beyond1435 soll übrigens die DB-Historie mit der Zukunft der Mobilität verbinden. „Auf der Standard-Schienenbreite von 1435 Millimetern wurden bereits unzählige Menschen und Güter vom Start bis ans Ziel befördert“, heißt es bei DB Digital Ventures: „Die digitalisierte Welt stellt bisherige Mobilitätskonzepte auf den Kopf. Nun gilt es, gemeinsam bestehende Grenzen zu überwinden und die Weichen für morgen zu stellen.“ (ph)

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Die Revolution des Schokoriegels

Drei Wirtschaftsingenieure wollen handelsüblichen Zuckerbomben in Riegelform Konkurrenz machen: Ihr Start-up Nucao bietet ernährungswissenschaftlich optimierte Schokosnacks an.

Dass der Stress beim Schreiben einer Masterarbeit kreatives Potenzial freisetzen kann, zeigt das Beispiel der Wirtschaftsingenieure Matthias Tholey und Thomas Stoffels. Die beiden Absolventen der RWTH Aachen hatten irgendwann keine Lust mehr auf extrem süße Schoko- und Müsliriegel gegen den Hunger zwischendurch. Also experimentierten sie selbst mit Kakao und Mandeln, Hanf und Acerolakirschen – und gründeten schließlich gemeinsam mit Christian Fenner, ebenfalls Wirtschaftsingenieur und RWTH-Absolvent, ein Lebensmittelunternehmen namens Nutritious Solutions GmbH. Ziel war die Entwicklung eines ernährungswissenschaftlich optimierten Schokoriegels: Gemeinsam mit dem promovierten Lebensmittelchemiker Tom Teichert haben die drei Gründer einen Snack kreiert, der eigenen Angaben zufolge den Körper umfassend mit Nährstoffen versorgt, low carb, vegan und glutenfrei ist und gleichzeitig knackig-schokoladig schmeckt. Die Zutaten sind demnach komplett natürlich und in Bio-Qualität, die Verpackungen dank kompostierbarer Folie und Karton nachhaltig.

Nucao heißt der Schokoriegel, den die drei Wirtschaftsingenieure inzwischen über verschiedene Kanäle vertreiben. In ihrer „Manucaofaktur“in einem Dresdener Ladenlokal stellen sie mit einem fest angestellten Produktionsleiter und mehreren Hilfskräften täglich rund 1300 Riegel in vier Geschmacksrichtungen her. Dass rund drei Euro pro Riegel ein stolzer Preis ist, ist den Gründern bewusst. Daher rechnen sie überwiegend mit Kunden, die Interesse an guter Ernährung haben, viel in Biomärkten einkaufen und eine entsprechende Zahlungsbereitschaft aufbringen.

Unterstützung auf dem Weg von der Idee zur Marktreife kam übrigens nicht nur von Instituten der RWTH Aachen und der TU Jena: Für das Konzept eines Schokoriegels, der einen signifikanten Beitrag zur Nährstoffversorgung leisten und ohne synthetische Zusatzstoffe und Konservierungsstoffe auskommen soll, erhielten die Entrepreneure zudem ein Exist-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums in Höhe von 130.000 Euro. Darüber hinaus sammelten sie über 24.000 Euro mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne ein. (ph)

Quelle: Pixelio/Thomas Kölsch

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Generation Y: Familie wichtiger als Karriere

Für 81 Prozent von Deutschlands Absolventen stehen Familie und Freunde an erster Stelle, Erfolg und Karriere folgen mit 54 Prozent auf Platz zwei. Das zeigt die Absolventenstudie 2017 des Kienbaum-Instituts.

Familie, Beziehung und Freunde sind die wichtigsten Werte im Leben von Absolventen der Generation Y. Das zeigt die Absolventenstudie 2017 des Kienbaum Instituts @ ISM für Leadership & Transformation. Demnach rücken 81 Prozent der 270 befragten Hochschulabsolventen Familie und Freunde an die erste Stelle, Erfolg und Karriere folgen auf Platz zwei mit 54 Prozent. Reich zu werden, halten hingegen nur neun Prozent der Absolventen für ein erstrebenswertes Ziel – und lediglich drei Prozent wollen das Leben richtig genießen und streben nach Zeit und Geld für Genuss und Konsum.

Handlungsfreiräume im Job nicht relevant

Bei der Arbeitgeberwahl legen laut Studie rund 60 Prozent jeweils Wert auf eine kollegiale Arbeitsatmosphäre, eine gute Work-Life-Balance und attraktive Karrieremöglichkeiten. „Deutschlands Absolventen scheinen wie geschaffen für das zu sein, was wir als New Work, also als selbstbestimmtes Arbeiten, bezeichnen“, sagt Walter Jochmann, Geschäftsführer des Kienbaum Instituts @ ISM. Gleichzeitig zeigt die Studie jedoch, dass in den Augen der Absolventen andere Faktoren, die ebenfalls typisch für New Work sind, nur eine geringe Relevanz haben: 18 Prozent wünschen sich einen Job in einem Unternehmen mit flachen Hierarchien, 16 Prozent wollen viel Handlungsspielraum haben und zwölf Prozent finden es wichtig, dass sie einen Chef haben, der gut führen kann.

„Es gibt zwei Seiten von New Work: einerseits ein hohes Maß an Flexibilität, attraktive Benefits und eine inspirierende Arbeitsumgebung, auf der anderen Seite flache Hierarchien, viel Freiraum und Chefs, die auf Augenhöhe führen und mehr Coach sind als der Boss, der nach dem Prinzip Befehl und Gehorsam arbeitet“, sagt Stefan Diestel, Akademischer Leiter des Kienbaum Instituts @ ISM und Psychologie-Professor an der International School of Management: „Die aktuelle Absolventengeneration scheint die Vorzüge von New Work mitnehmen zu wollen, ein Job mit viel Eigenverantwortung und Freiraum ist ihnen aber dann doch nicht ganz geheuer. Der Haken: Das eine funktioniert ohne das andere nicht.“

50 Prozent wollen nicht umziehen

Auch bei der Größe des Unternehmens setzen die Absolventen der Studie zufolge auf Bewährtes und auf Sicherheit. Nur sechs Prozent wollen ihre berufliche Laufbahn bei einem Start-up beginnen. Ein Drittel bevorzugt die Sicherheit eines Konzerns, und 22 Prozent möchten bei einem Mittelständler oder einem inhabergeführten Unternehmen arbeiten. Außerdem zeigt die Studie, dass die Mehrheit der deutschen Absolventen in der Nähe ihres aktuellen Wohnorts arbeiten will: 50 Prozent der Befragten wollen für ihren künftigen Arbeitsplatz nicht umziehen. (ph)

Quelle: Pixelio/S. Hofschlaeger

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Wie sich Charisma beeinflussen lässt

Charismatische Menschen können andere mitreißen, motivieren und beeinflussen. Doch was genau ist Charisma? Details klärt ein gemeinsamer Fachartikel von Susan Reh und Prof. Dr. Niels Van Quaquebeke von der Kühne Logistics University Hamburg sowie Steffen R. Giessner von der Erasmus Universität Rotterdam.

Was genau das Phänomen Charisma ausmacht, ist schwer zu fassen. Bislang zielten die meisten Erklärungsansätze auf das Verhalten und die Kommunikation von Führungskräften ab. In ihrem Fachartikel „The Aura of Charisma: A Review on the Embodiment Perspective as Signaling“ haben Susan Reh und Prof. Dr. Niels Van Quaquebeke von der Kühne Logistics University Hamburg sowie Steffen R. Giessner von der Erasmus Universität Rotterdam jetzt allerdings festgestellt, dass sich Charisma sogar ohne jegliche konkrete Interaktion ausbilden kann.

Entscheidend sind den Wissenschaftlern zufolge Signale, die körperlich wahrgenommen werden, sogenannte embodied signals. „Zu den Signalen, die eine Person selbst aussendet, gehören etwa Größe, Gesichtsstruktur und Stimmlage“, erklärt Susan Reh. „Je größer die Person, je markiger das Gesicht und je tiefer die Stimme, desto charismatischer wird jemand wahrgenommen.“ Eine Person muss demnach jedoch nicht einmal eigene Signale aussenden. Reh zufolge gibt es auch relevante Umweltsignale – zum Beispiel Signale, die Reinheit symbolisieren, also Weiß statt Schwarz, Helligkeit statt Dunkelheit, Sauberkeit statt Schmutz: „Je mehr davon zusammen kommen, desto stärker ist der charismatische Effekt, wenn der Rest der überbrachten Botschaft stimmt.“ Einen weiteren Einfluss auf die Wahrnehmung von Charisma habe beispielsweise die Temperatur: In einer warmen Umgebung würden sich Menschen eher zu einer Führungskraft hingezogen fühlen.

„Durch unsere Forschung zeigen wir, dass sich Charisma mit ein paar geschickten Handgriffen beeinflussen lässt“, ergänzt Prof. Dr. Niels Van Quaquebeke: „Das ist zum Beispiel interessant für Führungskräfte, die charismatischer erscheinen wollen.“ Die Ergebnisse dürften aber auch jene Menschen interessieren, die ebensolche Führungskräfte möglichst objektiv bewerten sollen – Personalabteilungen beispielsweise. Der Artikel „The Aura of Charisma: A Review on the Embodiment Perspective as Signaling“ ist in The Leadership Quarterly erschienen und steht im Volltext zum Download bereit. (ph)

Quelle: www.mediaserver.hamburg.de/ Christian Spahrbier

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„G20 in Zahlen“ liefert Hintergründe

Deutschland hat 2017 die G20-Präsidentschaft über­nommen und wird am 7. und 8. Juli in Hamburg den G20-Gipfel ausrichten. Informationen zu den Schwer­punkten der diesjährigen G20-Präsidentschaft bietet die Broschüre „G20 in Zahlen“.

Die Bundesrepublik Deutschland hat im Jahr 2017 turnusgemäß den Vorsitz der Gruppe der Zwanzig (G20) inne. Das Gipfeltreffen wird am 7. und 8. Juli 2017 in Hamburg stattfinden. Neben den G7-Ländern – USA, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien, Japan und Kanada – gehören bei der G20 auch Russland, die Schwellenländer China, Brasilien, Indien, Indonesien, Argentinien, Mexiko und Südafrika sowie Australien, Südkorea, Saudi-Arabien, die Türkei und die Europäische Union zu den Teilnehmern. Spanien genießt einen ständigen Gaststatus. Zusätzlich werden die Chefs vieler internationaler Organisationen wie der UNO, der Weltbank, des Weltwährungsfonds, der WTO, der OECD und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) teilnehmen. Eingeladen sind außerdem die Vorsitzenden regionaler Organisationen wie etwa der Afrikanischen Union (AU), des Verbandes Südostasiatischer Nationen (ASEAN) und der New Partnership for Africa’s Development (NEPAD).

Die G20-Staaten vertreten zwei Drittel der Weltbevölkerung, die für 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Welt und 80 Prozent des Welthandels verantwortlich zeichnen. Dabei stehen die G20-Staaten zum Teil vor sehr unter­schiedlichen Heraus­forderungen. Vor diesem Hintergrund hat das Statistische Bundesamt (Destatis) Informationen zu den Schwer­punkten der diesjährigen G20-Präsidentschaft in der Broschüre „G20 in Zahlen“ zusammengestellt. Basis sind internationale amtliche Statistiken. Zu den Themenfeldern gehören Bevölkerung/Migration, Wirtschaft/Finanzen, Außenwirtschaft, Arbeitsmarkt, Digitalisierung, Landwirtschaft/Ernährung, Klima/Energie sowie Gesundheit. Die Broschüre umfasst zwar nur Einstiege in die relevanten Statistiken, liefert jedoch zu jedem Thema weiterführende Links oder Kontaktmöglichkeiten. Neben der PDF-Fassung ist auch eine interaktive Version der Broschüre verfügbar. (ph)

Quelle: Telekom

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Neue Arbeitsformen erst ganz am Anfang

Bei der Frage, wie sie die Zukunft der Arbeit gestalten können, belassen es viele Unternehmen bislang bei eher kosmetischen Korrekturen und streben keinen Kulturwandel an. Das ergab eine Umfrage von Kienbaum zum Thema New Work.

Die meisten Unternehmen beschäftigen sich nur oberflächlich mit der Frage, wie sie die Zukunft der Arbeit gestalten können. Das ergab eine Stichprobe der Personal- und Managementberatung Kienbaum, die im Mai 112 Firmen zum Status quo und zur Zukunft ihrer Art zu arbeiten befragt hat. Demnach haben zwar 74 Prozent der deutschen Firmen das Trendthema New Work auf ihrer Agenda. Aber viele Unternehmen würden sich mit Home-Office-Angeboten begnügen, anstatt beispielsweise ihre Unternehmenskultur weiterzuentwickeln. Dabei ist es aus Sicht von Kienbaum unumgänglich, im Zuge von New Work Kultur und Führung kritisch zu hinterfragen: Vertrauen und Transparenz seien essenziell.

Wie die Umfrage weiter ergab, haben immerhin 63 Prozent der befragten Firmen bereits Maßnahmen ergriffen, um New Work zu etablieren. Dabei sei die Geschäftsführung am häufigsten beteiligt. In zwei Drittel der Unternehmen sei auch die Personalabteilung involviert, die Bereiche Marketing und Organisationsentwicklung würden jedoch bei nur einem Drittel der Befragten einbezogen.

Die beliebteste Maßnahme ist demnach, den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, von zu Hause aus zu arbeiten. Damit hänge auch eine Maßnahme zusammen, die auf Rang zwei der beliebtesten New-Work-Instrumente stehe: den Beschäftigten neue mobile Geräte wie Smartphones und Laptops zur Verfügung zu stellen, mit denen sich ortsunabhängig arbeiten lasse. Die Hälfte der Befragten setze auf ein offenes und flexibles Bürokonzept mit tätigkeitsbezogenen und frei wählbaren Arbeitsplätzen. Lediglich jedes vierte Unternehmen strebe Initiativen zur Kulturveränderung und eine stärkere Werteorientierung an. Und in nur jedem fünften der befragten Unternehmen würden neue Führungsmodelle angewendet, die den Mitarbeitern mehr Freiheit und Mitgestaltung erlauben. Fazit von Kienbaum: „Erstaunlich viele Unternehmen beschäftigen sich mit New Work, aber vielen fehlt noch der ganzheitliche Ansatz und der Spirit, New Work zu leben.“ (ph)

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VDE-Bluepaper zur Mobilität der Zukunft

Wie sich der Weg hin zu einer autonomen und elektrischen Mobilität beschleunigen lässt, analysiert der Technologieverband VDE in seinem jetzt vorgelegten Bluepaper Mobility.

Eines ist aus Sicht des VDE sicher: Die Fahrzeuge der Zukunft werden nur dann ihre Vorteile ausspielen, wenn sie sich sowohl in Energie- als auch in Kommunikationsinfrastrukturen einbinden lassen – und wenn alle Komponenten des Systems Elektromobilität reibungslos zusammenarbeiten. Entsprechend systemisch müsse die Elektromobilität betrachtet werden: von der Energieerzeugung und der verstärkten Nutzung dezentral erzeugter Energie über die Energieverteilung und -speicherung im Fahrzeug bis hin zur smarten Energienutzung im Rahmen eines Gesamt-Energiemanagements zum Beispiel für Privathäuser oder auch Flotten. In einem jetzt vorgelegten Bluepaper Mobility analysiert der Verband die Aufgaben, die dafür noch zu erledigen sind, skizziert mögliche Lösungen und gibt Handlungsempfehlungen.

Die Elektromobilität wird dem VDE zufolge einen großen Einfluss auf das Energieversorgungssystem ausüben, da der jährliche Endenergiebedarf des Verkehrs mit 730 Terawattstunden (TWh) die gesamte derzeitige Bruttostromerzeugung von 628 TWh übersteige. Deshalb müsse bereits jetzt untersucht werden, ob der derzeit geplante Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugungskapazitäten für die anstehende Elektrifizierung ausreiche oder ob Nachjustierungen erforderlich seien. Gleiches gelte für die Netz- und Ladeinfrastruktur, vor allem mit Blick auf Schnelladesäulen sowie technisch umsetzbare und wirtschaftlich darstellbare Konzepte.

Intelligent, interoperabel, modular, sicher

Um die Bereitschaft zum Umstieg auf Elektromobilität zu erhöhen, müssen laut VDE intelligente Zugangs- oder Bezahlsysteme entwickelt werden, die einen barrierelosen und durchgängigen Gesamtablauf gewährleisten – auch grenzüberschreitend. Die Interoperabilität von Lade- und Speichersystemen sowie eine modulare Bauweise von Speichertechnologien seien wichtige Schlüssel. Und vor allem für urbane Regionen müssten intelligente Lösungen für eine sogenannte New Mobility entwickelt werden, um das Ziel „Das richtige Verkehrsmittel, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort“ realisieren zu können.

Mit Blick auf das vernetzte und (hoch-)automatisierte Fahren sieht der VDE noch offene Fragen beim Einsatz künstlicher Intelligenz, bei kooperativen Fähigkeiten und Netze sowie bei Sicherheit und Verkehrsmanagement. Wie bei allen digital vernetzten Lösungen sei auch im Bereich Elektromobilität die Cyber-Security eine prozessuale Herausforderung, die mit höchster Priorität zu versehen sei.

„Das technologische Potenzial zum Durchbruch der Elektromobilität in Deutschland ist vorhanden“, heißt es beim VDE. Genutzt werden könne es aber nur, wenn die Kooperation und Kollaboration der beteiligten Akteure weiter verbessert werde – statt Grabenkämpfe seien moderierte Plattformen und Akteurs-Allianzen notwendig (ph)