VWI Redaktion Keine Kommentare

Recruiting: Unternehmen bevorzugen Online-Kanäle

Bei Unternehmen sind Bewerbungen über Online-Formulare oder die eigene Karrierewebsite besonders beliebt. Aber trotz Digitalisierung bleibt der persönliche Kontakt wichtig. Das zeigt die Studie „Recruiting Trends 2017“, die Kienbaum Communications und das Staufenbiel Institut gemeinsam erstellt haben.

Mit einem Fingertipp die Bewerbung per Smartphone abschicken – was praktisch klingt, ist im Recruiting der deutschen Unternehmen bisher kaum angekommen: Nur 22 Prozent der Firmen bieten diese One-Click-Bewerbungen an, beispielsweise über ein Xing-Profil. Und die klassische Bewerbungsmappe ist noch lange nicht ausgestorben: Trotz des deutlich höheren administrativen Aufwands nehmen 59 Prozent der Befragten weiterhin Bewerbungsmappen an, die per Post eingehen. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „RecruitingTrends 2017“, die Kienbaum Communications und das Staufenbiel Institut gemeinsam durchgeführt haben. Für die Studie wurden knapp 300 Personalverantwortliche in Deutschland befragt.

Eindeutiges Fazit der Studie: Digitale Bewerbungskanäle sind bei Unternehmen am beliebtesten. 84 Prozent der Firmen akzeptieren Bewerbungen über E-Mail, 72 Prozent stellen Online-Formulare oder eine eigene Karrierewebsite zur Verfügung. Die Mehrheit der Befragten bevorzugt es, wenn diese Wege genutzt werden. Der Grund ist Kienbaum zufolge simpel: Digitale Bewerbungen können – im Vergleich zu postalischen Bewerbungen – schneller bearbeitet und einfacher verglichen werden. Geht es um die Verbreitung von Stellenausschreibungen, so erzielen die Befragten mit Online-Kanälen zudem die besten Erfolge: Auf Platz eins der erfolgreichsten Recruiting-Kanäle liegen Online-Anzeigen mit 89 Prozent, gefolgt von der eigenen Karrierewebsite mit 72 Prozent und dem Active Sourcing mit 71 Prozent.

Obwohl digitale Bewerbungskanäle im Trend liegen, bleibt der persönliche Kontakt nach wie vor sehr wichtig, wie die Studie zeigt: Mit Karriere-Events und -Messen erzielen demnach 69 Prozent der Befragten große Recruiting-Erfolge. Und für zwei Drittel der Firmen ist auch der eigene Talentpool eine bewährte Ressource, um freie Positionen zu besetzen. Die Empfehlung von Mitarbeitern durch Mitarbeiter ist mit 60 Prozent ebenfalls erfolgversprechend, landet im Ranking der Rekrutierungskanäle allerdings nur im unteren Mittelfeld. Die größten Teile der Recruiting-Budgets fließen aktuell in Online-Anzeigen, Karriere-Events und -Messen.

Für das Auswahlverfahren bleibt der persönliche Kontakt unverzichtbar: 98 Prozent der befragten Unternehmen setzen auf das klassische Vorstellungsgespräch, 95 Prozent stufen diesen Part des Auswahlprozesses als wichtig oder sehr wichtig ein. 87 Prozent der Unternehmen greifen für Bewerbungsgespräche außerdem auf Telefoninterviews zurück. Mit 53 Prozent weniger verbreitet ist das Assessment-Center. Auswahlverfahren über einen Online-Test oder per Video-Interview nutzen lediglich 42 Prozent der befragten Firmen. Was die Befragten außerdem verraten: Bei der Besetzung einer Stelle für den Direkteinstieg ist ihnen Praxiserfahrung durch viele Praktika mit 81 Prozent deutlich wichtiger als ein sehr guter Studienabschluss in Regelstudienzeit. (ph)

Ein Thema des Arbeitskreises Karriere & Beruf.

VWI Redaktion Keine Kommentare

Qualitätsüberwachung in der Lieferkette

Quelle: Bosch

Das Bremer Institut für Produktion und Logistik (BIBA) erforscht das Monitoring qualitäts- und zustandsrelevanter Daten in Produktions- und Logistiknetzen. Das neue Projekt setzt unter anderem auf Sensoren und eine Standardisierung der Schnittstellen.

In Branchen wie der Automobil- oder Luftfahrtfahrtindustrie sind die Produktions- und Logistiknetze sowie die Produkte selbst sehr komplex. Je später die Unternehmen einen Qualitätsmangel im Wertschöpfungsprozess erkennen, desto höher ist in der Regel der daraus resultierende Aufwand. Um diesen Aufwand künftig zu vermeiden, beschäftigt sich das Bremer Institut für Produktion und Logistik (BIBA) an der Universität Bremen in einem neuen Forschungsprojekt namens SaSCh (Digitale Services zur Gestaltung agiler Supply Chains) mit einer lückenlosen Qualitätsüberwachung von Bauteilen und Komponenten während der Herstellungs- und Transportprozesse. Die Forscher konzentrieren sich auf die Lieferkette und setzen unter anderem auf Sensoren sowie Datenauswertung und -austausch.

Wie das BIBA mitteilt, steht die Entwicklung eines cyber-physischen Systems im Mittelpunkt des Vorhabens. Dieses System soll zunächst die durchgängige digitale Erfassung qualitäts- und zustandsrelevanter Daten von Autoteilen in der Lieferkette ermöglichen; die Projektergebnisse sollen jedoch auf andere Branchen übertragbar sein. „Zunächst entwickeln wir cyber-physische Ladungsträger“, sagt Wirtschaftsingenieur Dirk Werthmann vom BIBA: „Das heißt, wir versehen Transportboxen mit mobilen Sensoren. Sie können beispielsweise Temperatur, Erschütterung, Licht oder Luftfeuchtigkeit erfassen und sie in eine Datenwolke senden.“ Darüber hinaus würden an relevanten Punkten entlang der Lieferkette 3D-Kameras als stationäre Sensoren positioniert, die ebenfalls Daten in die Cloud liefern.

Datensouveränität der Unternehmen wahren

In dieser Datenwolke will das BIBA alle aus den verschiedenen Quellen in der Lieferkette erhaltenen Daten intelligent miteinander verknüpfen und verarbeiten. So sollen die beteiligten Akteure aus Produktion und Logistik bei Bedarf auch in Echtzeit Informationen und Handlungsempfehlungen erhalten können. Voraussetzung für die Kommunikation der Akteure innerhalb eines solchen Netzwerkes ist die Verwendung einer einheitlichen Sprache, teilt das BIBA weiter mit. Daher erweitere das Projektkonsortium einen offenen Schnittstellenstandard, den EPCIS-Standard (Electronic Product Code Information Services Standard). Dieser Standard diene dem Austausch von Ereignisdaten. Die Datenspeicherung soll laut BIBA dezentral in den beteiligten Unternehmen erfolgen, um die Datensouveränität der Unternehmen zu wahren.

Das dreijährige Verbundvorhaben SaSCh (Digitale Services zur Gestaltung agiler Supply Chains) hat einen Gesamtumfang von gut 4,5 Millionen Euro. Es wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Technologieprogramm „PAiCE – Digitale Technologien für die Wirtschaft“ gefördert und vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betreut. Das Projektkonsortium besteht aus dem Forschungspartner BIBA, dem Logistikdienstleister BLG Logistics, dem Technologieunternehmen Bosch, der Standardisierungsorganisation GS1 Germany und dem IT-Dienstleister queo. Die Projektpartner haben die Arbeit bereits aufgenommen. Ende Oktober 2019 will das Konsortium die Projektergebnisse vorstellen. (ph)

VWI Redaktion Keine Kommentare

Wirtschaftstreiber Digitalisierung

Industrie-4.0-LösungenQuelle: Hannover Messe

Die Digitalisierung beeinflusst den Wirtschaftsstandort Deutschland in mehrfacher Hinsicht, wie aktuelle Studien zeigen: Sie führt zu höheren Investitionen und Rückverlagerungen von Produktionskapazitäten sowie zu stärkerer Nachfrage auf dem Markt für Hardware, Software und IT-Services.

Der Einsatz von Digitalisierungstechnologien wirkt sich positiv auf die Rückverlagerung von Produktionskapazitäten nach Deutschland aus und bewegt Unternehmen dazu, wieder vermehrt in der Bundesrepublik zu investieren. Das ist das Kernergebnis einer Studie der Hochschule Karlsruhe und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI im Auftrag des VDI, die jetzt auf der Hannover Messe vorgestellt wurde. In der Digitalisierung bereits fortgeschrittene Betriebe verlagern demnach zehnmal häufiger Teile ihrer Produktion wieder an den deutschen Standort zurück als Betriebe, die in der Produktion keine Digitalisierungstechnologien nutzen.

Bessere Flexibilität, höhere Produktivität

„Erstens bietet der Einsatz von Digitalisierungstechnologien eine erhöhte Flexibilität und Fähigkeit für eine individualisierte, kundenorientierte Produktion, die heutzutage immer wichtiger wird und für die Belieferung auch eine räumliche Nähe zum Kunden erfordert“, sagt dazu Steffen Kinkel, Professor an der Hochschule Karlsruhe und Autor der Studie: „Zweitens führt ihr Einsatz zu einer erhöhten Automatisierung und Produktivität des deutschen Produktionsstandorts, so dass der Lohnkostenanteil niedriger wird.“ In der Digitalisierung fortgeschrittene Unternehmen weisen laut Studie eine um 27 Prozent höhere Arbeitsproduktivität auf als Nichtnutzer. Dass digitale Technologien als Jobkiller wirken könnten, befürchtet der Auftraggeber der Studie jedoch nicht: „Unternehmen, die digitale Technologien nutzen, werden wettbewerbsfähiger, sind langfristig besser aufgestellt und sorgen mit ihren modernen Produktionsstrukturen weiterhin für Arbeit und Wertschöpfung am Standort Deutschland – so müssen wir die Zahlen interpretieren“, sagt VDI-Direktor und Wirtschaftsingenieur Ralph Appel.

Industrie-4.0-Markt wächst

Mit Blick auf die Digitalisierung prophezeit zudem Bitkom, dass der Umsatz mit Industrie-4.0-Lösungen im Jahr 2017 um 21 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro steigen wird. Für 2018 sei im Gesamtmarkt für Industrie 4.0 ein Zuwachs von mehr als 22 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro zu erwarten, teilte der Digitalverband auf Basis aktueller Berechnungen und Analysen des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Pierre Audoin Consultants (PAC) im Rahmen der Hannover Messe mit. Die stärkste Nachfragesteigerung ist demnach im Maschinen- und Anlagenbau zu verzeichnen: Die Umsätze mit Industrie-4.0-Lösungen betrugen 2016 bereits 1,2 Milliarden Euro und sollen in diesem Jahr voraussichtlich um 23 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro zulegen. Als weiterer starker Treiber gilt laut Bitkom der Automobilbau, dessen Investitionen im Bereich Industrie 4.0 um 20 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro steigen sollen. Nach Umsatz auf Platz drei folgt die Elektronik-Branche, die in diesem Jahr 817 Millionen Euro in Industrie-4.0-Lösungen investieren soll, 22 Prozent mehr als im Vorjahr.

Software-Lösungen besonders gefragt

Hinsichtlich der verschiedenen Industrie-4.0-Marktsegmente Software, Hardware und IT-Services profitiert der Software-Bereich Bitkom zufolge am stärksten von den Nachfrageimpulsen – also die Nachfrage nach Betriebssystemen, Tools, Anwendungen und Anbietermodellen wie Software-as-a-Service. Hier sollen die Umsätze von 787 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2017 und auf 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2018 steigen. Im derzeit größten Segment – IT-Services wie Beratung, Systemintegration und die Entwicklung individueller Software-Lösungen – soll der Markt von von 2,4 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf 3,6 Milliarden Euro im Jahr 2017 und 4,4 Milliarden Euro im Jahr 2018 wachsen. Der Anteil der Hardware – also Sensoren, Server, Speicher, Netzwerke und andere Geräte für die Industrie 4.0 – soll von 868 Millionen Euro im Jahr 2015 bis 2018 voraussichtlich auf 1,3 Milliarden Euro ansteigen. Insgesamt erwartet der Digitalverband, dass die Bedeutung von Industrie-4.0-Lösungen für die Wertschöpfung und die Wettbewerbsfähigkeit der herstellenden Unternehmen weiter zunimmt – und dass Unternehmen mit einer intelligent vernetzten Produktion und durchgehend digitalisierten Prozessen in den kommenden Jahren überdurchschnittlich wachsen. (ph)

VWI Redaktion Keine Kommentare

Attraktive Gehälter von Anfang an

GehälterQuelle: Pixelio/Rainer Sturm

Wirtschaftsingenieur-Absolventen können vom Berufseinstieg an mit attraktiven Gehältern rechnen. Das zeigen Erhebungen des Jobportals Absolventa.

Gute Gehälter vom Beginn der Tätigkeit an – damit können dem Jobportal Absolventa zufolge Wirtschaftsingenieure rechnen. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt für Wirtschaftsingenieure in Deutschland lag demnach im Jahr 2016 bei 47325 Euro brutto; Uni-Absolventen erzielten dabei mit rund 48052 Euro ein höheres Einstiegsgehalt als Wirtschaftsingenieur-Absolventen einer FH (43278 Euro).

Wie hoch das individuelle Gehalt tatsächlich ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab. Als Einflussgrößen nennt Absolventa unter anderem die Firmengröße, die Branche, die Region, die Art des Hochschulabschlusses, die gesammelte Praxiserfahrung und natürlich auch die konkreten Tätigkeiten und Verantwortungsbereiche des jeweiligen Ingenieur-Jobs. Je größer ein Unternehmen sei, desto höher falle das Gehalt aus: Der Unterschied beim Einstiegsgehalt eines Wirtschaftsingenieurs zwischen einem kleinen oder mittelständischen Unternehmen (KMU) zu einem Konzern könne dabei bis zu 30 Prozent betragen. Absolventa zufolge locken zudem die höchsten Gehälter im Süden, genauer in Bayern und Baden-Württemberg mit den Industriegebieten um München und Stuttgart. Vor allem die Automobil-Branche zahle dort für Wirtschaftsingenieure hohe Gehälter, aber auch die Telekommunikations- und die Chemiebranche seien attraktiv.

Mit Blick auf eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung meldet Absolventa weiter, dass das Jahresgehalt von Wirtschaftsingenieuren mit Berufserfahrung schnell ansteige. „Nach mehr als fünf Jahren Berufserfahrung kann mit einem Monatsgehalt von über 5000 Euro gerechnet werden und Spitzenverdiener kommen knapp auf ein Jahresgehalt von 100000 Euro“, so Absolventa, entscheidend seien die Branche und die Position im Unternehmen.

Ein Master-Abschluss ist der Jobbörse zufolge für beruflichen Erfolg nicht zwingend erforderlich. Für das Einstiegsgehalt sei ein Masterabschluss zwar positiv, nach ein paar Jahren Berufserfahrung würden sich die Gehälter von Wirtschaftsingenieuren mit Master- oder Bachelor-Abschluss jedoch angleichen. „Immer mehr Unternehmen bieten gezielt auch Jobs für Wirtschaftsingenieure mit Bachelor-Abschluss an“, so Absolventa. Wichtig sei die richtige Kombination aus einem wissenschaftlichen Abschluss und ersten Praxiserfahrungen. (ph)

Ein Thema des Arbeitskreises Karriere & Beruf.

VWI Redaktion 1 Kommentar

Vom Logistiker zum Autobauer

Quelle: Deutsche Post AG

Die Deutsche Post will ihren Streetscooter künftig europaweit auch an externe Kunden verkaufen. Entwickelt wurde der Elektro-Lieferwagen von einem Start-up im Umfeld der RWTH Aachen.

Erst Anfang März hatte die Deutsche Post DHL Group verkündet, bis zum Jahr 2050 alle logistikbezogenen Emissionen netto auf null zu reduzieren. Teil dieser Strategie ist die Elektromobilität. Wie das Unternehmen jetzt mitteilt, sollen die Kapazitäten zur Produktion des posteigenen Elektro-Lieferwagens Streetscooter bis Ende 2017 von 10000 auf bis zu 20000 Stück verdoppelt werden; dafür soll in Nordrhein-Westfalen ein zweiter Produktionsstandort entstehen. Außerdem will der Logistiker die bislang für den Postbetrieb und den Lieferverkehr optimierten E-Fahrzeuge ab sofort auch an Dritte verkaufen: Mindestens die Hälfte der diesjährigen Jahresproduktion ist Postinformationen zufolge für externe Interessenten vorgesehen.

Der Streetscooter ist das Produkt des gleichnamigen Start-ups, das die Professoren Achim Kampker und Günther Schuh sowie Studenten der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen im Jahr 2010 zunächst als privatwirtschaftlich organisierte Forschungsinitiative gründeten. Die Deutsche Post wurde 2011 im Rahmen der IAA auf ein Konzeptfahrzeug aufmerksam, auf dessen Basis Konzern und Forscher dann gemeinsam einen auf die Ansprüche des Logistikers zugeschnittenen Transporter entwickelten. Ende 2014 kaufte der Konzern das Start-up für einen nicht genannten Preis komplett auf. CEO wurde Achim Kampker, der bis heute das in Aachen ansässige Unternehmen leitet und zudem Sonderbeauftragter für Elektromobilität bei der Post ist. Günther Schuh, der an der RWTH Aachen Maschinenbau studierte und das betriebswirtschaftliche Aufbaustudium zum Wirtschaftsingenieur absolvierte, blieb Inhaber des dortigen Lehrstuhls für Produktionssystematik.

Die Jahresproduktion der Streetscooter-Fahrzeuge soll sich in etwa zu gleichen Teilen auf die Modelle Work (rund vier Kubikmeter Ladevolumen) und Work L (rund acht Kubikmeter Ladevolumen) verteilen. Der nächste noch größere Transporter mit rund 20 Kubikmeter Ladevolumen (Work XL) soll voraussichtlich Anfang 2018 auf den Markt kommen und dann ebenfalls in den externen Vertrieb gehen. Auch die E-Bikes von Streetscooter (Work S) sowie die E-Trikes (Work M) bietet der Konzern ab sofort externen Kunden an.

Neben Europa denkt die Deutsche Post Medienberichten zufolge über weitere internationale Märkte für den Streetscooter nach. „Weil wir in Indien und Thailand bereits Pakete ausfahren, prüfen wir, ob der Streetscooter da für uns und auch für externe Kunden interessant sein könnte“, sagte Postvorstand Jürgen Gerdes der Rheinischen Post. Und weiter: „Ich kann mir auch vorstellen, dass das Fahrzeug in New York, San Francisco oder Peking großes Interesse finden würde. Dies alles bedeutet, dass zum entsprechenden Zeitpunkt und bei entsprechender Nachfrage auch Werke in Übersee denkbar wären.“ Auf Dauer hält Gerdes demnach zehn Werke weltweit und einen Verkauf von 100.000 Stück pro Jahr für denkbar. Ein Börsengang sei zwar nicht geplant, aber auch nicht ausgeschlossen. (ph)

VWI Redaktion Keine Kommentare

Kopfarbeit am digitalen Fließband?

Der digitale Umbruch trifft nicht nur die Beschäftigten in der Produktion, sondern auch die Angestellten in Entwicklung und Verwaltung. Welche neuen Formen der Arbeitsorganisation dabei entstehen und welche Folgen dies für die Beschäftigten hat, hat das Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) München im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung erforscht.

Die Arbeitswelt steht an einem Scheideweg. Das ist das Fazit des ISF München, das im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung die Bedeutung des digitalen Umbruchs für Angestellte in Entwicklung und Verwaltung untersucht hat (Lean und agil im Büro: Neue Formen der Organisation von Kopfarbeit in der digitalen Transformation). Einerseits droht den Forschern zufolge die Organisation von Kopfarbeit an einem digitalen Fließband, andererseits zeichnen sich neue Möglichkeiten für mehr Selbstbestimmung und ein Empowerment der Beschäftigten ab. „Die Übertragung von Lean-Konzepten aus der Fertigung und der Einsatz von agilen Methoden aus der Software-Entwicklung sind zu einem neuen strategischen Trend in den Angestelltenbereichen geworden“, sagt ISF-Vorstandsmitglied PD Dr. Andreas Boes.

Der Studie zufolge zeichnet sich eine grundlegende Wende in der Organisation von Arbeit und Wertschöpfung in den Büros der Angestellten ab. Die Software-Industrie steht demnach exemplarisch für diese Entwicklung: Agile Methoden, vor allem „Scrum“, kommen dort schon länger zum Einsatz und ersetzen das bürokratisch organisierte Wasserfallmodell mit seinen langen Planungs- und Projektlaufzeiten.

„Wir haben es hier mit einem neuen industrialisierten Entwicklungsmodell zu tun, das sich in der Softwareindustrie flächendeckend durchsetzt und zunehmend auch in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen klassischer Industrie-Unternehmen zum Einsatz kommt“, so Boes. Das Prinzip, auch Kopfarbeit zu standardisieren, einer zeitlichen Taktung zu unterwerfen und sowohl das Expertenwissen als auch die individuellen Arbeitsergebnisse für alle transparent zu machen, würden mittlerweile immer mehr Unternehmen verfolgen.

Dieser Wandel, so ein weiteres Ergebnis der Studie, macht auch vor den Verwaltungsbereichen nicht Halt. Die Arbeit in den Personal- und Finanzabteilungen oder im Vertrieb werde „immer standardisierter und prozessorientierter“, erklären die ISF-Experten und -Expertinnen. Dass ihre Arbeit mit dem Ziel, mehr Effizienz und gleichzeitig weniger Kosten zu erzeugen, zunehmend rationalisiert und messbar wird, gehe an den Beschäftigten nicht spurlos vorüber. Die intensive Teamarbeit, der Wissensaustausch und die Möglichkeit, sich gegenseitig zu unterstützen, würden zwar durchaus auf Zustimmung stoßen. Bei Betroffenen komme es jedoch auch zu Dauerstress, zu einem Gefühl, unter ständigem Rechtfertigungsdruck zu stehen und keinen Einfluss mehr auf die eigenen Arbeitsabläufe zu haben.

„Die Reaktionen der Beschäftigten zeigen, dass es dringenden Handlungs- und Gestaltungsbedarf durch Politik und Gesellschaft gibt“, erklärt Arbeitsforscher Boes. Gegenwärtig stehe die Arbeitswelt an einem Scheideweg zwischen Konzepten, die Kopfarbeit wie am Fließband organisierten, und Strategien, die darauf setzten, das Teams und Beschäftigte in die Lage versetzt würden, selbstständig zu agieren, kollektiv zu lernen und in Eigenverantwortung Innovationen zu generieren. „Das Empowerment und die Handlungsfähigkeit der Menschen zu stärken ist aus unserer Sicht die zentrale Leitorientierung für eine erfolgreiche Gestaltung der digitalen Arbeitswelt“, betont Boes. (ph)

Ein Thema des Arbeitskreises Produktion & Logistik.

VWI Redaktion Keine Kommentare

„Zwei Jahre bei einem Start-up bringen enorm viel Erfahrung“

Sind Wirtschaftsingenieure die besseren Gründer? Sind Start-ups die interessanteren Arbeitgeber? Dazu Dr. Christoph Pohl, Gründer des Start-ups eta/opt und der VWI-Hochschulgruppe Kassel.

Dr.-Ing. Christoph Pohl

Herr Dr. Pohl, sind Sie ein Entrepreneur?
Auf jeden Fall. Ich gehe mit meiner Firma eta/opt, die ich im Bereich Maschinenbau gegründet habe, ganz klassisch den Entrepreneurweg. Wenn man als Gründer startet, muss man erstmal herausfinden, was der Markt will und ob das eigene Produkt diesen Bedarf erfüllen kann – Unternehmen, die schon länger auf dem Markt agieren, haben da einen Wissensvorsprung. Als Gründer haben Sie zwar ein Kundenproblem erkannt und eine Lösung dafür entwickelt, aber es ist noch offen, wie genau das Produkt am Ende aussieht, wie es sich in bestehende Umgebungen integrieren lässt und welche wichtigen Details eventuell noch nicht bedacht wurden. Im Gegensatz zu etablierten Unternehmen hat man zudem in dieser Phase keinen Grundumsatz, auf den man sich verlassen kann; vielmehr muss man sich Geld besorgen.

Wollten Sie eigentlich schon immer lieber selbstständig arbeiten?
Mir wurde schon sehr früh klar, dass ich mich nicht gut unterordnen kann – es fällt mir schwer, unter der Flagge von jemandem zu segeln und fremde Projekte und Ziele zu vertreten. Außerdem treffe ich gerne Entscheidungen und habe auch keine Angst davor, auch mal falsche Entscheidungen zu treffen und dann auch dafür gerade zu stehen. Konkret wurde für mich der Weg zur Gründung zwar erst während der Promotion, als ich gemerkt habe, dass man aus meiner Produktidee auch wirklich eine Firma aufbauen könnte. Aber dann war relativ schnell klar, dass ich etwas eigenes machen und dafür auch die Führung und die Verantwortung übernehmen will.

Welche Eigenschaften sind aus Ihrer Sicht für Gründer besonders wichtig?
Ganz klar: Leidensfähigkeit und Durchhaltevermögen, auch wenn es sich abgedroschen anhört. Da sind zum einen die Arbeitszeiten: Ich arbeite jeden Tag 14 Stunden; außer sonntags, da sind es nur elf. Das liegt daran, dass Sie als Start-up jede Chance nutzen und um jeden Auftrag kämpfen müssen – wenn Sie dann Ihren Stundenlohn ausrechnen, kommen Ihnen die Tränen. Außerdem: Man arbeitet ja immer auf irgendetwas hin, man steckt sich zum Beispiel ein Entwicklungs- oder ein Umsatzziel. Dahinter steckt der Gedanke: Wenn ich dieses Ziel erreicht habe, nimmt der Druck ab, ich kann entspannt meine Lohnkosten stemmen und so weiter. Und so ist es eben nicht. Vielmehr ist es eine lange Zeit so, dass viele Sachen nicht funktionieren, dass man Geld und Kapazitäten verbrennt. In der Summe muss natürlich mehr klappen als schiefgehen. Aber man muss mit dem Gedanken leben können, dass man viele Wege umsonst geht. Gleichzeitig muss man sich immer wieder in Erinnerung rufen: Ich mache das alles für mich, ich kann gestalten und aus einer Idee einen Erfolg machen; das ist mein Ding, mein Baby.

Hat Ihr Wirtschaftsingenieur-Studium Sie gut auf diese Herausforderungen vorbereitet?
Das wesentliche Rüstzeug stammt ganz klar aus dem Studium. Natürlich müssen Sie sich immer wieder in neue, spezielle Bereiche einarbeiten, ob es jetzt im Bereich Thermodynamik um so etwas geht wie Verdichtung oder um ein Thema im Bereich Betriebsführung. Aber speziell das Wirtschaftsingenieur-Studium hat mir viel gebracht. Ich arbeite ja nicht nur in meiner Firma, sondern auch als Dozent an der Uni Kassel, außerdem bin ich Studienleiter an der Wilhelm-Büchner-Hochschule. Sie merken einfach einen absoluten Qualitätsunterschied zwischen einem reinen Ingenieur und einem Wirtschaftsingenieur. Die Fähigkeit, auch mal querzudenken, ist bei Wirtschaftsingenieuren einfach stärker ausgeprägt. Meiner Erfahrung nach sind Ingenieure zum Beispiel im Bereich Entwicklung oft zu technikverliebt: Nachher haben Sie eine eierlegende Wollmilchsau, die man nicht verkaufen kann – technisch astrein, aber am Markt vorbei.

Sind Wirtschaftsingenieure vor diesem Hintergrund für die Gründer- oder Start-up-Szene besonders gut geeignet?
Absolut. Bei Wirtschaftsingenieuren hat oft bereits das Studium ein gewisses Gründer-Milieu, weil man sehr früh lernt, über den Tellerrand zu blicken. Und das führt tatsächlich dazu, dass man leichter Ideen entwickeln kann, weil man Ansätze und Lösungen zwischen unterschiedlichen Anwendungsbereichen übertragen und passend weiterdenken kann. Hinzu kommt die Vernetzung, die der VWI für Studierende möglich macht. Ich versuche beispielsweise, meine Leute aus diesem Umfeld zu rekrutieren und profitiere auch selbst immer wieder von Kontakten, die ich im oder über den VWI geknüpft habe. Netzwerken ist heutzutage das A und O.

Sind Start-ups aus Ihrer Sicht wegen ihrer Vielfalt und der flachen Hierarchieebenen die interessanteren Arbeitgeber?
Natürlich bilden sich auch bei jungen Unternehmen Bereiche und Strukturen heraus. In meinem Unternehmen beispielsweise arbeiten jetzt 13 Köpfe. Aber am Anfang hat unser Produktmanager vor allem die Technik gemacht, also auch mit uns die Exponate aufgebaut, und im Moment liegt sein Schwerpunkt definitiv im Vertrieb. Die Aufgaben wandeln sich also gerade bei einem Start-up immer wieder während des Wachstumsprozesses, und entsprechend wandlungsfähig müssen auch die Leute sein. Aber zwei Jahre bei einem Start-up bringen mindestens so viel Erfahrung wie zehn Jahre bei einem etablierten Unternehmen, weil man unglaublich viel mitbekommt.

Und was müssen Absolventen zusätzlich zum Fachwissen mitbringen?
Beschäftigte bei Start-ups müssen eine gewisses Unsicherheit aushalten können – diese Arbeitsplätze sind nunmal nicht so sicher wie bei einem etablierten KMU oder einem Konzern. Bei uns weiß jeder der 13 Köpfe, wie lange das Geld noch reicht, welche Probleme wir haben und um welchen Auftrag wir gerade kämpfen. Manche Leute verschreckt eine solche Transparenz. Andere fiebern mit, und so muss es auch sein bei einem Start-up. Wenn Sie bei einem großen Automobilisten einsteigen, ist Ihr monatliches Gehalt sicher, aber die Strukturen sind eher starr, auch was die Aufstiegsmöglichkeiten angeht. Bei einem Start-up können Sie dagegen zeitgleich zum Wachstum der Firma auf der Leiter nach oben fallen. Es hat also beides Vor- und Nachteile. Aber die haben Sie schon bei der Frage: KMU oder Konzern. Meine Praktika haben mir gezeigt, dass es in kleineren Strukturen mehr auf jeden Einzelnen persönlich ankommt, außerdem sind Sie viel näher an den Menschen dran, die den Hut aufhaben und wirklich die Unternehmensidentität verkörpern. Und bei Start-ups ist das alles nochmal stärker gegeben – die Risiken, aber auch die Chancen.

Zur Person
Dr. Christoph Pohl stammt aus Fritzlar, ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Von 2003 bis 2008 studierte er in Kassel Wirtschaftsingenieurwesen und Betriebswirtschaft, in dieser Zeit gründete er auch die VWI-Hochschulgruppe. Nach einem Jahr bei Rheinmetall in Kassel arbeitete er von 2009 bis 2013 für die Uni Kassel und bereitete die Promotion vor. Nach seinem Sieg beim Promotion-Nordhessen-Wettbewerb gründet er 2015 die eta/opt GmbH. Das Start-up mit Sitz im Sciencepark Kassel bietet Know-how im Bereich der Substitution von Druckluft und entwickelt effiziente Produktlösungen für die Industrie in der Antriebs- und Handhabungstechnik; eta – ein Buchstabe aus dem griechischen Alphabet – steht für den Wirkungsgrad, opt für Optimierung.

Ein Thema des Arbeitskreises Karriere & Beruf. Die Fragen stellte Petra Hannen.

VWI Redaktion Keine Kommentare

Der 9. Bayreuther Ökonomiekongress

Ideen, Impulse und Inspirationen: Auch 2017 wird der Bayreuther Ökonomiekongress Zeichen setzen. Denn wo sonst kann man in ähnlich lockerer Atmosphäre hochkarätige Referenten erleben und zugleich wertvolle Kontakte für die eigene berufliche Karriere knüpfen. Anders formuliert: Nirgends sonst kann man besser „Von den Besten lernen“. Unter diesem Leitgedanken findet am 18. und 19. Mai der größte von Studierenden organisierte Wirtschaftskongress Europas statt. Auch in diesem Jahr wird der VWI wieder mit einem Messestand auf dem Bayreuther Ökonomiekongress vertreten sein und mit den Teilnehmern in den Austausch gehen.

Seit seiner Premiere im Jahr 2009 hat sich der Bayreuther Ökonomiekongress zu einer vielbeachteten Wirtschaftskonferenz von höchstem Rang etabliert. Vom renommierten manager magazin wurde er sogar als „Davos in Bayreuth“ bezeichnet. Auch 2017 werden sich namhafte und kompetente Referenten aus den unterschiedlichsten Disziplinen den Fragen der Teilnehmer stellen und mit ihnen aktuelle und zukünftige Herausforderungen der Wirtschaft diskutieren. Neben dem offiziellen Programm zeichnet den Bayreuther Ökonomiekongress sein familiärer Charme aus, der zum ungezwungenen Austausch und generationenübergreifenden Netzwerken einlädt. In den vergangenen Jahren konnte so nicht nur vielen Studierenden ein Direkteinstieg ins Berufsleben vermittelt werden. Auch Teilnehmer aus der Wirtschaft profitierten von den hier gewonnen Kontakten.

Für Lehrstuhlmitarbeiter sowie talentierte und motivierte Studenten bieten der Ökonomiekongress in diesem Jahr das neue Karriereprogramm. Neben der kostenfreien Teilnahme am Kongress stehen der direkte Kontakt sowie der persönliche Austausch mit Führungskräften, Referenten, Karriereexperten und Unternehmen im Mittelpunkt.

Weitere Informationen zum Ökonomiekongress und zur Anmeldung unter www.oekonomiekongress.de 

VWI Redaktion Keine Kommentare

Der VWI beim Bayreuther Ökonomiekongress 2015

Quelle: VWI Redaktion

Der nun zum siebten Mal veranstaltete Kongress an der Bayreuther Universität fand dieses Jahr unter dem Motto „Von den Besten lernen: Modernes Management im 21. Jahrhundert“ statt. Wie in den Jahren zuvor war der VWI im Rahmen einer Kooperation mit den Veranstaltern mit einem Stand auf der parallel zum Kongress laufenden Messe vertreten.

In den letzten Jahren gelang es den VWI-Aktiven durch die gezielte Ansprache von interessierten Studenten während des Kongresses die Gründung einer VWI Hochschulgruppe in Bayreuth anzustoßen. Die vielen studentischen VWI Mitglieder, die immer wieder auf das Messeteam zukamen, machten deutlich, dass sich die zurzeit jüngste von 48 VWI-Hochschulgruppen großer Attraktivität unter den Studierenden erfreut und an der Bayreuther Hochschulwelt durch ein attraktives Programm für Aufmerksamkeit sorgt.Aber nicht nur Studenten des Wirtschaftsingenieurwesens besuchten Kongress und Messe; berufstätige Wirtschaftsingenieure konnten sich in den Kongresspausen am Stand über den VWI ebenfalls informieren und auch Unternehmensvertreter bekundeten Interesse am Verband und den potentiellen Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Vertreten wurde der VWI von Nicola Reitzenstein (Vorstandsmitglied), Sabrina Richter (Studentische Vertreterin 2014), Jürgen Baumgärtner (Studentischer Vertreter 2015) und Mitgliedern der Hochschulgruppe Bayreuth. Die Organisation des Projektes erfolgte durch das Bundesteam Ressort Eventmanagement.

Inhaltlich punktete die gesamte Veranstaltung durch Vorträgen von und Diskussionen mit hochkarätigen Referenten zu modernen Führungsmodellen, neuartigen und bewährten Erfolgsstrategien sowie innovativen Organisationsformen. Auch Aspekte des Scheiterns, sich ;daraus ergebende Chancen sowie die Gestaltung von Phasen im Anschluss an eine Erfolgsära wurden thematisiert.

Insgesamt zieht das Projektteam eine ausgesprochen positive Bilanz seines Engagements auf dem Bayreuther Ökonomiekongress. Diese bundesweit renommierte Veranstaltung bot die Möglichkeit, das VWI-Netzwerk weiter zu entwickeln und sich selbst fachlich fortzubilden. Der 8. Bayreuther Ökonomiekongress findet am 9. und 10. Juni 2016 statt und ist bereits im VWI-Kalender vorgemerkt.

VWI Redaktion Keine Kommentare

VorWeihnachtliche Initiative 2014 – Interview mit Carolin Weißhaar

Im Rahmen der VorWeihnachtlicheInitiative wurden von verschiedenen Gruppen des VWI Spenden von fast 5000€ gesammelt. Lydia Binek, die diese Aktion für das Bundesteam betreut hat, sprach mit Carolin Weißhaar vom MALAYAKA Haus & Freunde e.V der dieses Jahr als Spendenziel gewählt wurde.

Hallo Carolin, würdes du dich kurz vorstellen?

Mein Name ist Carolin Weißhaar, ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen im 7. Semester an der Universität Kassel und engagiert sich ehrenamtlich für einen kleinen Verein von nur sieben Mitgliedern, der ein Waisenhaus in Uganda unterstützt, das Malayaka Haus.

Was macht Ihr beim MALAYAKA Haus & Freunde e.V, eurem Verein in Deutschland?

Die Hauptsächliche Arbeit in Deutschland besteht darin, Spendengelder zu sammeln, damit wir die Miete für die Häuser in Entebbe und die Schulgebühren unserer knapp 20 schulpflichtigen Kinder zahlen können. Wir sind ein kleiner Verein von nur sieben Mitgliedern, was wir bewusst gewählt haben, um den Verwaltungsaufwand gering zu halten. Unsere ganze Energie und Motivation stecken wir lieber direkt in Projekte, die unseren Waisenkindern zu gute kommen. Neben der Arbeit in Deutschland fliegen wir regelmäßig nach Uganda und versuchen vor Ort das Projekt zu unterstützen. Zum Beispiel haben wir einen Lehrer in unserem Board, der Aufgaben wie die Auswahl der Schule oder die Organisation der Hausaufgabenbetreuung in Uganda übernimmt. Dementsprechend nimmt die Kommunikation mit unseren Freunden, die dauerhaft in Uganda sind, auch einiges an Zeit in Anspruch.

Jahresabschlusspräsentation des MALAYAKA Hause & Freunde e.V 2014 im Studentenkeller Leipzig

Das Malayaka Haus – Wie kann ich mir dieses Projekt denn Vorstellen?

Das Projekt Malayaka Haus ist im Jahr 2005 völlig ungeplant und wie vom Schicksal bestimmt entstanden. Da befand sich Robert Fleming, ein amerikanischer Entwicklungshelfer, in Uganda. Er hat am Straßenrand eine schwangere, einsame, völlig hilflose und obendrein geistig verwirrte Frau kennen gelernt. Als die Geburt ihres Kindes kurz bevor stand, brachte Herr Fleming die Frau in das örtliche Krankenhaus. Die Mutter konnte das Neugeborene aber nicht aufnehmen, nicht ernähren und verweigerte es. Am Ende fand Robert das Baby im Papierkorb der Kliniktoilette. Nachdem die Polizei ihn um Hilfe bittet und die Vormundschaft für das Kind überträgt, nimmt Robert den Säugling namens Malayaka mit in sein Hotelzimmer. Sie ist das erste Kind von nun schnell aufeinander folgenden Notfällen, bei denen Robert aushilft. Schon bald füllt sich sein Zimmer mit Waisen in Not, die er aufnimmt und für die er die Verantwortung übernimmt. Kurzerhand entschließt er sich, alle seine Ersparnisse zusammenzunehmen und mit Hilfe seiner Familie und Freunde ein Waisenhaus aufzubauen – das Malayaka Haus.
Mittlerweile leben 38 Kinder im Alter von wenigen Monaten bis 22 Jahren bei uns im Malayaka Haus. Unsere Kinder gehen fast alle auf eine private International School. Das Schönste und Außergewöhnlichste an unserem Projekt ist in meinen Augen, dass wir den Kindern durch unserer Arbeit nicht nur eine Schulbildung ermöglichen, sondern ihnen auch verschiedene Skills beibringen, mit denen sie später einmal selber Geld verdienen können und unabhängig werden. So haben wir zum Beispiel angefangen Mozzarella eigenständig zu produzieren und diesen in den umliegenden Restaurants zu verkaufen. Zwei unserer Ältesten Mädchen haben sich auf Kunsthandwerk spezialisiert und stellen Ketten, Flip-Flops und Armbänder her, die zum Beispiel an Freiwillige oder Besucher des Hauses verkauft werden. Das größte Projekt ist jedoch die Pizza-Nacht: Hier wird das Waisenhaus an zwei Abenden in der Woche zum Restaurant umfunktioniert. Dabei werden bis zu 50 Gäste pro Abend von unseren Jugendlichen selbst bewirtet und mit Pizza, die sie in einem selbst gebauten Steinofen eigenhändig backen, kulinarisch versorgt. Auf diese Weise können wir gewährleisten, dass jeder etwas lernt, womit er ein eigenes Standbein aufbauen kann.

Wann und von wem ist der Verein in Deutschland denn gegründet worden?

Im Jahr 2013 haben wir in Kassel unseren Verein gegründet. Wir sind sieben Gründungsmitglieder, die sich über Umwege entweder in Uganda, oder nach ihrem Aufenthalt in Deutschland kennen gelernt haben. Deshalb sind unserer Mitglieder auch über die gesamte Republik verstreut: Neben Kassel sind zum Beispiel noch Vertreter aus Leipzig, Hamburg und Berlin dabei.

Wie kamst Du darauf Deinen eigenen Verein zu gründen und nicht bestehende zu unterstützen?

Ich bin ursprünglich, nach meinem Abitur, über einen anderen Verein nach Uganda geflogen und wollte dort in einer Schule mitarbeiten. Leider musste ich schnell feststellen, dass die Arbeit dort nicht so funktioniert, wie ich es erwartet hatte. Ich war ziemlich unzufrieden und habe dann beschlossen, nach eigenen Projekten zu suchen, in denen ich vor Ort mitarbeiten kann und meine Hilfe vielleicht sogar jemanden glücklich macht. Und so kam ich auf das Malayaka Haus. Nachdem ich eingezogen bin durfte ich auch gleich loslegen. Die Arbeit mit den Kids war super! Es gibt kaum einen Ort auf der Welt, wo ich so viel Lebensfreude gespürt habe, wie dort. Und das, obwohl viele der Kinder eine harte Vergangenheit hinter sich haben und oftmals aus sehr prekären Verhältnissen stammen. Und da habe ich mir gedacht: „Warum nicht selber einen Verein gründen, um das Projekt weiterhin zu unterstützen?“, denn Uganda ist für mich ein Stück weit Heimat geworden. Meine Erfahrungen aus den anderen Projekten konnte ich gut in unser Projekt integrieren. Vieles was dort schief gelaufen ist, haben wir von Anfang an versucht besser zu machen. Auch wenn es ein richtig oder falsch bei solchen Projekten in meinen Augen nicht gibt, denn das ist oft sehr subjetiv. Es gibt viele gute Projekte für Entwicklungsländer, doch ich kann für meinen Verein sagen, dass 100 % der Spendengelder unseren Waisenkindern zugute kommen. Das war allen Gründungsmitgliedern wichtig! Und deshalb haben wir den eigenen Verein gegründet.

Wie organisiert ihr Euch, um Euere Ziele zu erreichen?

Wir versuchen zum einen monatliche Spender zu gewinnen, um unser Jahresziel von aktuell 10000 Euro zu erreichen, welches wir sobald wie möglich verdoppeln möchten. Zum anderen erhoffen wir uns Spendengelder durch verschiedene Events, wie eine alljährliche Abschlusspräsentation in Leipzig, diverse Vorträge in ganz Deutschland und eine Benifizpartyreihe in Kassel. Außerdem haben wir begonnen Kalender mit Bildern unserer Kinder, die ein befreundeter Fotograf in Uganda aufgenommen hat und Postkartensets herzustellen und diese zu verkaufen. Wir versuchen also nicht nur Spendengelder zu sammeln, sondern unseren Spendern auch etwas zurück zu geben und sie an der Faszination „Malayaka Haus“ teilhaben zu lassen. Dafür schreiben wir unter anderem bei jeder unserer Reisen einen Blog auf unsere Homepage, wo wir unsere Leser mitnehmen möchten nach Entebbe.

Der MALAYAKA Haus & Freunde e.V wurde als Spenden Zweck der VorWI ausgewählt. Wie hast du davon erfahren?

Eine Freundin und Kommilitonin hat mich gefragt, ob ich aktuell ein gutes „Bildungsprojekt“ unterstütze. Als ich diese Nachricht gelesen habe, saß ich gerade in einem kleinen Cafe unter Palmen in Entebbe und habe den besten Kaffee der Welt – natürlich in Uganda angebaut -genossen. Ich habe nur geantwortet: „Na klar, ich bin sogar gerade vor Ort und kann dir mehr als eines vorschlagen, wo sich eine Unterstützung lohnt“. Dazu muss ich sagen, dass wir neben „unserem“ Waisenhaus auch begonnen haben, andere Projekte zu unterstützen. Nicht unbedingt finanziell. Wir organisieren zum Beispiel Brieffreundschaften zwischen deutschen Schulen und zwei Grundschulen in Entebbe, die wir bei jeder unserer Reise mit Nachschub an Briefen, kleinen Geschenken und Gummibärchen beliefern. Außerdem haben wir im September 2014 ein weiteres Haus angemietet, auf dem Grundstück des Malayaka Hauses. In diesem möchten wir eine Bibliothek mit Leseecke, Computerraum und Arbeitsplätzen zum Erledigen der Hausaufgaben installieren. Solche zusätzlichen Projekte können wir leider nicht durch die Gelder unseres Vereins umsetzen, da diese schon für Schulgebühren und Miete vorgesehen sind. Deshalb war es eine riesen Freude, als ich ein paar Tage später eure Antwort bekommen habe: „Wir nehmen das Bibliotheksprojekt“. Ich bin direkt zum Leiter des Malayaka Hauses gegangen und habe gesagt: „Ab Januar kann’s hier rund gehen, da bekommen wir Sponsorengelder für unsere Bibliothek! Dann können wir endlich angefangen neue Möbel zu bauen!“ Alle haben sich super gefreut! Vielen Dank schon mal dafür!

Wofür wird das Geld also genau verwendet werden?

Die Spende wird für die Renovierung und Einrichtung der Bibliothek, wie wir dieses Haus nennen, verwendet werden. Wir werden das Geld also beispielsweise für die Materialien der neuen Möbel verwenden, neue Wandfarbe, für das Begleichen der Miete für ein Jahr und wenn danach noch etwas übrig bleibt, dann können wir vielleicht noch zwei Computer anschaffen, an denen die Kinder Grundlagen in Word und Excel vermittelt bekommen sollen.

Quelle: HG Magdeburg

HG Magdeburg beim Glühwein trinken für den Guten Zweck

Was hältst du von der Initiative des VWI?

Ich finde die Initiative super! Ich selbst war beim Glühwein trinken dabei und alle haben Spaß gehabt. Dass man so einen Abend damit verbinden kann, ein gemeinnütziges Projekt zu unterstützen, ist einfach perfekt! Ich würde zum Beispiel nie zu meinen studierenden Freunden gehen und fragen, ob sie 10 Euro pro Monat spenden möchten. Aber ich frage sie gerne, ob sie zu einer Party kommen, deren Einnahmen gespendet werden, oder mit mir einen Glühwein trinken zu gehen und das Pfandgeld zu spenden. Dass manche Hochschulgruppen, wie zum Beispiel Kassel, gesagt haben, dass sie das „Pfandgeld“ am Ende noch verdoppeln, ist natürlich das i-Tüpfelchen und zeugt davon, dass neben der Erfüllung der eigenen Vereinszwecke auch über den persönlichen Tellerrand geschaut wird!

Wie kann man euch weiter unterstützen?

Wir sind natürlich immer angewiesen auf Monatsspender, denn durch diese können wir unser „Spendenziel“ sicher stellen, weil es ganz einfach kalkulierbare Einnahmen sind. Weiterhin freuen wir uns immer über die Information zu verschiedenen Aktionen, bei denen man Spendengelder sammeln kann, wie die Vor-Weihnachtliche Initiative. Auch reisen wir gerne durch Deutschland, um Präsentationen zu halten und über unsere Arbeit und das Leben im Malayaka Haus in Uganda zu informieren. Weitere Infos zu unserem Verein könnt ihr nachlesen auf malayaka-haus.de oder schreibt mir einfach eine Mail: carolin.weisshaar@gmx.de

Du bist auch VWI Mitglied, warum?

Ich war lange Zeit kein Mitglied im VWI, weil ich durch die Arbeit in meinem eigenen Verein nicht so viel Zeit habe, um aktiv im VWI mitarbeiten zu können. Für mich persönlich macht es wenig Sinn, einem Verein beizutreten, ohne an dessen Angeboten teilnehmen zu können bzw. nicht mitzuorganisieren. Allerdings durfte ich auf der 10-jährigen Jubiläumsfeier der HG-Kassel einen Vortrag auf dem Galadinner über meinen Verein und das Waisenhaus halten. Das hat mir zum einen super viel Spaß bereitet und zum anderen aber auch gezeigt, dass sich der VWI für die Arbeit der Wirtschaftsingenieursstudenten auch außerhalb der Uni interessiert und auch über eine Zusammenarbeit nicht abgeneigt ist. So habe ich mit Hilfe des VWI’s in Kassel bereits zwei Benefizpartys veranstalten können, an denen auch einige Wirtschaftsingenieure für einen guten Zweck das Tanzbein geschwungen haben. Nun kam noch die Vorweihnachtliche Initiative dazu, was mich davon überzeugt hat, dass ich den Verein auch durch eine einfache, teils passive Mitgliedschaft, unterstützen kann!

Was hast du in Zukunft vor?

Mein Plan reicht erstmal nur bis Ende 2015. Da stehen auf der Tagesordnung neben dem täglichen Geschäft von Uni und Vereinsarbeit, das Fertigstellen der Bachelorarbeit, ein Auslandspraktikum im Sommer und der Start einer „Masterkarriere“, voraussichtlich in der Universität Kassel. Und dann ist auch schon die Weihnachtszeit und ich freue mich auf den heißen Glühwein, den ich bei dem subtropischen Regenwetter in Deutschland genießen kann. Und wenn alles klappt, verbringe ich Weihnachten 2016 nicht unter dem Tannenbaum, sondern unter Palmen in Entebbe – im Malayaka Haus. Vielleicht nehme ich ein paar Christbaumkugeln mit und schicke euch ein Foto!