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Quelle: Bosch

Das Bremer Institut für Produktion und Logistik (BIBA) erforscht das Monitoring qualitäts- und zustandsrelevanter Daten in Produktions- und Logistiknetzen. Das neue Projekt setzt unter anderem auf Sensoren und eine Standardisierung der Schnittstellen.

In Branchen wie der Automobil- oder Luftfahrtfahrtindustrie sind die Produktions- und Logistiknetze sowie die Produkte selbst sehr komplex. Je später die Unternehmen einen Qualitätsmangel im Wertschöpfungsprozess erkennen, desto höher ist in der Regel der daraus resultierende Aufwand. Um diesen Aufwand künftig zu vermeiden, beschäftigt sich das Bremer Institut für Produktion und Logistik (BIBA) an der Universität Bremen in einem neuen Forschungsprojekt namens SaSCh (Digitale Services zur Gestaltung agiler Supply Chains) mit einer lückenlosen Qualitätsüberwachung von Bauteilen und Komponenten während der Herstellungs- und Transportprozesse. Die Forscher konzentrieren sich auf die Lieferkette und setzen unter anderem auf Sensoren sowie Datenauswertung und -austausch.

Wie das BIBA mitteilt, steht die Entwicklung eines cyber-physischen Systems im Mittelpunkt des Vorhabens. Dieses System soll zunächst die durchgängige digitale Erfassung qualitäts- und zustandsrelevanter Daten von Autoteilen in der Lieferkette ermöglichen; die Projektergebnisse sollen jedoch auf andere Branchen übertragbar sein. „Zunächst entwickeln wir cyber-physische Ladungsträger“, sagt Wirtschaftsingenieur Dirk Werthmann vom BIBA: „Das heißt, wir versehen Transportboxen mit mobilen Sensoren. Sie können beispielsweise Temperatur, Erschütterung, Licht oder Luftfeuchtigkeit erfassen und sie in eine Datenwolke senden.“ Darüber hinaus würden an relevanten Punkten entlang der Lieferkette 3D-Kameras als stationäre Sensoren positioniert, die ebenfalls Daten in die Cloud liefern.

Datensouveränität der Unternehmen wahren

In dieser Datenwolke will das BIBA alle aus den verschiedenen Quellen in der Lieferkette erhaltenen Daten intelligent miteinander verknüpfen und verarbeiten. So sollen die beteiligten Akteure aus Produktion und Logistik bei Bedarf auch in Echtzeit Informationen und Handlungsempfehlungen erhalten können. Voraussetzung für die Kommunikation der Akteure innerhalb eines solchen Netzwerkes ist die Verwendung einer einheitlichen Sprache, teilt das BIBA weiter mit. Daher erweitere das Projektkonsortium einen offenen Schnittstellenstandard, den EPCIS-Standard (Electronic Product Code Information Services Standard). Dieser Standard diene dem Austausch von Ereignisdaten. Die Datenspeicherung soll laut BIBA dezentral in den beteiligten Unternehmen erfolgen, um die Datensouveränität der Unternehmen zu wahren.

Das dreijährige Verbundvorhaben SaSCh (Digitale Services zur Gestaltung agiler Supply Chains) hat einen Gesamtumfang von gut 4,5 Millionen Euro. Es wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Technologieprogramm „PAiCE – Digitale Technologien für die Wirtschaft“ gefördert und vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betreut. Das Projektkonsortium besteht aus dem Forschungspartner BIBA, dem Logistikdienstleister BLG Logistics, dem Technologieunternehmen Bosch, der Standardisierungsorganisation GS1 Germany und dem IT-Dienstleister queo. Die Projektpartner haben die Arbeit bereits aufgenommen. Ende Oktober 2019 will das Konsortium die Projektergebnisse vorstellen. (ph)

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