Bernd Leukert SAP

Quelle: SAP SE

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Bernd Leukert ist SAP-Vorstand mit globaler Verantwortung für die Entwicklung und Auslieferung der Produkte des SAP-Portfolios. Zudem leitet er strategische Innovationsinitiativen, erschließt gemeinsam mit der Entwicklungs- und der Vertriebsorganisation neue Wachstumsmöglichkeiten und ist außerdem für User Experience und Design der Benutzeroberflächen von SAP-Software verantwortlich. Neben seiner Tätigkeit für SAP ist Leukert Mitglied der Aufsichtsräte des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), der Bertelsmann SE & Co. KGaA und der TomTom N.V., Mitglied des Market Strategy Board der Internationalen Elektrotechnischen Kommission und Leiter des Lenkungskreises der Plattform Industrie 4.0 der deutschen Bundesregierung. Leukert hat an der Universität Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen studiert.

Herr Leukert, warum haben Sie Wirtschaftsingenieurwesen studiert?
Mich hat die Verknüpfung von technischen und wirtschaftswissenschaftlichen Fragestellungen gereizt. Manchmal wurde ich für meine Studienwahl belächelt – von wegen ein Wirtschaftsingenieur könne ja nichts richtig, weder Wirtschaft noch Technik. Spätestens aber mit der Digitalisierung und der vernetzten Produktion entstehen ganz neue Geschäftsmodelle. Und es ist der Wirtschaftsingenieur, der technisches Wissen und kaufmännische Kenntnis vereint, um aus technischen Veränderungen neue Dienstleistungen und Angebote zu entwickeln.

Welche Skills, die Sie im Studium erlernt haben, waren für Ihren Werdegang besonders wichtig?
Viele Fragestellungen in Unternehmen spielen sich genau an der Schnittstelle zwischen Technik und Wirtschaft ab. Dabei unterscheidet sich das Denken in den technischen Fachgebieten von dem Denken in der Betriebswirtschaft stark – der ständige Perspektivenwechsel, den man während des Studiums einnehmen musste, hilft mir heute noch, einen konkreten Sachverhalt zu analysieren, ohne den Überblick über das große Ganze zu verlieren.

Was bedeutet für Sie als Wirtschaftsingenieur der Faktor Interdisziplinarität?
Ich bin überzeugt, dass Unternehmen nur dann erfolgreich sein können, wenn unterschiedliche Denk- und Sichtweisen zusammenkommen. So entsteht eine hohe Innovationskraft – und letztlich vielleicht der entscheidende Wettbewerbsvorteil. Bei der SAP setzen wir seit 2004 erfolgreich Design Thinking ein: eine Vorgehensweise, mit der man Bedürfnisse von Menschen oder Unternehmen verstehen und für diese Bedürfnisse innovative Lösungen entwickeln kann. In einem iterativen Prozess kommen unterschiedliche Disziplinen zusammen und entwickeln gemeinsam Lösungen für konkrete Geschäftsszenarien.

Sind aus Ihrer Sicht Absolventen und Professionals mit einem weiten Horizont momentan besonders gefragt?
Natürlich ist es hilfreich, einen weiten Horizont zu haben. Das gilt sowohl für Absolventen als auch für Professionals. Die Breite des Wissens bietet das passende Fundament, um für sich selbst zu entscheiden, welcher Bereich für die eigenen Ziele und Ambitionen der richtige ist. Dadurch hat man einen guten Überblick und Einblick über sowie in viele Themen, was für eine spätere Spezialisierung entsprechend hilfreich ist. Es ist dann ratsam, sich entsprechend dem Feld, in dem man arbeiten möchte, ab einem gewissen Punkt in eine Richtung zu spezialisieren. Das erhöht nochmal die Chancen, eine Position in dem Bereich zu finden, in dem man auch tätig sein möchte.

Was raten Sie Wirtschaftsingenieuren, die in Ihrer Branche Fuß fassen wollen?
Für Wirtschaftsingenieure, wie übrigens auch für alle anderen Fachrichtungen gilt: Folgen Sie Ihrer Leidenschaft. Es ist wichtig, wenn man in unserer Branche arbeiten möchte, sich auch mit den Themen und Fertigkeiten auseinanderzusetzen, die im Markt aktuell gefragt sind. Dann eine Position zu finden, bei der die eigenen Fähigkeiten einen Mehrwert für das jeweilige Unternehmen bieten und auch die Anforderungen der jeweiligen Stelle erfüllt werden, wäre ideal. Gleichzeitig wäre es vorteilhaft, beispielsweise über Praktika, Unternehmen kennenzulernen und festzustellen, welcher Arbeitgeber für einen das passende Umfeld bietet, um sich darüber hinaus weiterzuentwickeln. Nutzen Sie die Chance, ein bis zwei Fächer aus dem Bereich Informatik zu besetzen. Durch die Digitalisierung ist ein Basiswissen in Informatik sowohl in der IT-, aber auch in allen anderen Branchen von großem Vorteil.

Stichwort Digitalisierung: Wo sehen Sie für Ihre Branche sowie für Ihren konkreten Arbeitsbereich die Potenziale, aber auch die Herausforderungen?
Die Digitalisierung verändert grundlegend die Art und Weise, wie wir produzieren, konsumieren, arbeiten und leben. Wir sehen viele Beispiele, in denen Unternehmen, unabhängig von ihrer Branche, konkret an der Digitalisierung ihrer Wertschöpfungsketten arbeiten, bisherige Produktivitätsgrenzen steigern und neue Geschäftsmodelle implementieren. Oft haben aber gerade kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) die Digitalisierung zwar als Thema erkannt, es fehlt aber ein klarer Plan, es auf die eigene Situation zu übertragen. Dabei bieten horizontal integrierte Wertschöpfungsketten über Unternehmensgrenzen hinweg auch für KMU die Chance, am digitalen Wandel teilzuhaben. Ziel der Plattform Industrie 4.0, deren Lenkungsausschuss ich momentan vorsitze, ist es, Digitalisierung in der Breite und vor allem in der Praxis umzusetzen, Nutzen daraus zu ziehen, Netzwerke aufzubauen und weiter zu lernen. Großen Handlungsbedarf sehen wir hier vor allem in der Unternehmensorganisation und der Neugestaltung der Arbeit sowie in nötigen Regelungen und Standards für die Digitalisierung, sei es rechtlich, in den Interoperabilitätsstandards, bei der Sicherheit der Systeme oder beim Thema Arbeit.

 

In den Sommerinterviews befragt der VWI in loser Folge Wirtschaftsingenieure und Wirtschaftsingenieurinnen, die wichtige Positionen in Industrie und Lehre innehaben, zu ihrem Blick auf das Berufsbild.

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