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Arbeitsplätze und Digitalisierung

Schafft der digitale Wandel mehr Arbeitsplätze, als er zerstört? Zwei aktuelle Veröffentlichungen stützen diese These. Sowohl das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) als auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) haben sich mit dem Einfluss der Digitalisierung auf den deutschen Arbeitsmarkt beschäftigt. Demnach verändert die Verbreitung digitaler Technologien die Beschäftigungsstruktur, sorgt aber auch für mehr Arbeitsplätze.

Ein Automatismus ist diese Entwicklung allerdings nicht, stellt das ZEW als Ergebnis eines Projekts zum Thema „Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit“klar. Der digitale Wandel stelle Arbeitskräfte und Betriebe vor große Herausforderungen – und damit die deutsche Wirtschaft auch zukünftig wettbewerbsfähig bleibe, sei die Politik gefordert. Auf Basis einer Betriebsbefragung zum Einsatz neuer digitaler Technologien in deutschen Betrieben sowie einer modellbasierten Abschätzung der relevanten makroökonomischen Wirkungsmechanismen hat das ZEW im Zuge des Projekts untersucht, wie sich Gesamtbeschäftigung, Arbeitslosigkeit und Löhne im Zuge der Digitalisierung in Deutschland verändern. „Die Technologien wirken zwar arbeitssparend, sie schaffen aber bisher mehr neue Stellen, als sie ersetzen. Der Gesamtbeschäftigungseffekt ist daher leicht positiv“, erläutert Dr. Melanie Arntz, kommissarische Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs ‚Arbeitsmärkte, Personalmanagement und Soziale Sicherung‘.

Gezielt auf Arbeitsplätze der Zukunft vorbereiten

Aufgrund der insgesamt positiven Beschäftigungseffekte sollten neue Technologien nach Ansicht der Forschenden gezielt gefördert werden. Es zeichne sich jedoch eine wachsende technologische Kluft in der deutschen Betriebslandschaft ab. „Betriebe, die in der Vergangenheit bereits stark in moderne digitale Technologien investiert haben, gehören auch weiterhin zu den Vorreitern, während Nachzügler zusehends ins Hintertreffen geraten. Dieser Spaltung gilt es gezielt zu begegnen“, erklärt Melanie Arntz. Daneben zeige sich, dass Investitionen in digitale Technologien eine steigende Ungleichheit mitverursachen. „In erster Linie profitieren Hochlohn-Berufe und -Sektoren in Form höherer Beschäftigungs- und Lohnzugewinne von neuen Technologien, während durchschnittlich und niedrig entlohnte Berufe und Sektoren zurückfallen“, so Arntz. Um dem zu begegnen, bestehe die eigentliche Herausforderung von Digitalisierung und Industrie 4.0 darin, die Arbeitskräfte gezielt auf den Arbeitsmarkt der Zukunft vorzubereiten.

Digitaler Wandel als Gestaltungsaufgabe

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) widerlegt in einer Studie die oft zitierte These, dass der digitale Wandel flächendeckend Arbeitsplätze koste. Daten aus dem IW-Personalpanel zufolge hätten stark digitalisierte Firmen – sogenannte Unternehmen 4.0 – ihre Belegschaften häufiger vergrößert als die weniger digitalisierten Unternehmen. Allerdings bleibt dem IW zufolge offen, ob tatsächlich die Digitalisierung für den Beschäftigungsaufbau verantwortlich ist. Auch die sektorale Beschäftigungsentwicklung einer Branche stehe in keinem eindeutigen Zusammenhang mit dem Stand des digitalen Transformationsprozesses: Während zum Beispiel in der Informationswirtschaft Digitalisierungsgrad und Beschäftigung gleichermaßen gestiegen seien, sei die Beschäftigung im Banken- und Versicherungsgewerbe trotz eines fortschreitenden Digitalisierungsprozesses gesunken. Ganz ähnlich ist der IW-Befund auf Berufsebene: Zwar würden in Berufsgruppen mit hohem Automatisierungsgrad wie dem Verarbeitenden Gewerbe weniger Beschäftigte eingestellt, jedoch sei das eher die Folge des Fachkräftemangels und weniger einer sinkenden Nachfrage nach Arbeitnehmern aufgrund von Automatisierungsprozessen. „Der digitale Wandel ist kein Tsunami, sondern menschengemacht und eine Gestaltungsaufgabe“, sagt IW-Arbeitsmarktexperte Dr. Oliver Stettes.

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